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Bericht 2012 - Teil 2


Wir basteln uns einen Kettenhund


Patsi


Tage wie diese


Kettenhunde
Tour vom 28.03.2013


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Stromberg - Ein Hund studiert

Er war einer der vermeintlich fünf Welpen, wegen dem uns ein Bauer letzten Winter mehrmals anrief. Er hätte Welpen, fünf, und er könne sie nicht halten. Er wohne in einem Dorf und die Hunde würden immer größer, machten Lärm, Nachbarn beschweren sich. Er fragte uns um Hilfe und obwohl wir ihn erstmal vertrösten mussten, denn wir hatten zunächst keinen Platz, kam der Tag, an dem uns der Mann seine fünf Welpen brachte.

Sie kamen auf einem Pick-up, zirka 7 Monate alt, einen Kopf größer als unser eigener Jagdhund. Wir staunten nicht schlecht. "Die Welpenl.... waren mindestens "junge Erwachsenel. Nichts mehr für den Welpenspielplatz..., nur wohin? Nun waren sie da und sie zogen erstmal zu Brian in Pflege.

Stromi und seine Schwester Amy kamen nach einiger Zeit zu uns ins Hunderudel. Nie hatten die beiden engeren Kontakt zu anderen Hunden oder gar Menschen gehabt und so verbellten sie Alles und Jeden so vehement, dass selbst unser alter "Opal sich kaum noch traute, in den Garten pinkeln zu gehen. Spiliou hatten sie gleich am ersten Tag geschockt, als er ganz nach seiner Manier, zur Begrüßung auf sie zugerannt kam, auf- und abspringend und "Spielen,Spielen, Spielenl signalisierte.Mit denen konnte man nicht spielen! Das stand fest. So was hatte er noch nie erlebt.

Es dauerte zirka zehn Tage bis unsere Rudelhunde die Nase voll hatten sich in ihrem Zuhause verstecken zu müssen und die beiden Neuen neugierig genug waren, sich in Richtung Haus vorzupirschen. Wenn sie näher kamen, bellten sie,liefen im Kreis, vorwärts, rückwärts, wie mutige Hunde das eben so machen...

Einige Tage später hatte unser Rudel zwei neue Mitglieder: Amy und Stromi. Wir waren erleichtert: endlich Ruhe. Bald würden sie sich sicher auch dieser komischen Rasse Mensch nähern..., aber Pustekuchen. Es wurde immer klarer, dass diese Hunde Menschen zuvor höchstens gerochen hatten, wir waren ihre Dosenöffner, sehr wichtig, na klar, aber menschliche Nähe, Ansprache, Berührung? Ausgeschlossen! Wir waren schließlich keine Hunde! In solchen Momenten schauten sie uns zwar interessiert, aber völlig verständnislos an. "Was machen die da nur?l "Die wollen mich anfassen?l, "Wie stellen die sich das vor?
 

Es vergingen Monate mit kleinen aber stetigen Fortschritten. Amy und Stromi hörten mittlerweile auf ihre Namen, kamen, wenn man sie rief, sprangen im Kreis und hoch in die Luft, wenn es Futter gab, wedelten wie wahnsinnig zur Begrüßung, beschnupperten uns neugierig und aufmerksam und fraßen aus der Hand. Auch Gästen, sowohl Hunden als auch Menschen gegenüber, wurden sie offener, obwohl Hunde ihnen in Sachen Nähe eindeutig näher waren, während sie Gäste eher als schlichte Studienobjekte betrachteten.

Sie analysierten uns, fleißig und wir ließen sie studieren. Doch wie und wann sollte ihr Studium bloß enden? Wann waren sie bereit für ihre Abschlussprüfung und den Schritt in die Welt, in der es andere Hunde, Katzen und vor allem Menschen gab? Ewig konnten wir sie ja nicht studieren lassen..., doch sie machten wenig Anstalten, ihre Studien zu beenden. Menschen sind ganz offensichtlich eine komplexe Angelegenheit, wenn man nicht mit ihnen aufwächst.

Eines Tages kam eine Familie, die sich eine Hündin wünschte, und die sich in Amy verliebte. Als würde sie spüren, dass es um sie ging, umkreiste Amy die Familie, immer schön von hinten kommend und schaute ihr nach, wenn sie ging. Die Familie beschloss, den Schritt zu wagen - sie adoptierte Amy, einen Hund, den sie zuvor noch nie gestreichelt hatte. Wie sollte das werden? Die Familie machte sich viele Gedanken, aber sie wagte es, sah sie doch, wie aufmerksam Amy war. Es kam der Tag der Abreise. Wir fingen Amy in der Küche, zu zweit, kreisten sie ein und sie gab schnell auf. Ich hielt sie dann am Halsband fest, kam das erste Mal in den Genuss, sie zu knuddeln und trug sie auf dem Arm in die Transportbox. Stromi schaute zu, beide bellten jetzt ganz verzweifelt und der Anblick brach uns fast das Herz. Amy ging nun in ein neues Leben und wir drückten alle Daumen, dass es klappte in der Familie, sie genug studiert hatte, um den letzten Schritt zu gehen. Einige Tage später kam die Nachricht, dass Amy den Garten bereits auswendig kannte. Eine Woche später schlief sie beim Sohn im Bett und noch einige Tage später bekamen wir ein Foto aus Berlin, auf dem Amy mit ihrer neuen Rudelführerin UND einer GRUPPE MENSCHEN im Hintergrund zu sehen war, völlig relaxt in der Mitte liegend. Unglaublich!

Wir freuten uns unwahrscheinlich und hofften zugleich, dass auch ihr Bruder Stromi, der immer noch einen Tick unsicherer war unserer Rasse gegenüber, auch in diesen Genuss kommen würde eines Tages.
 
 

Stromi hatte hier mittlerweile seinen fest Platz in unserer Hundefamilie und verkraftete den Abschied von seiner Schwester gut. Er spielte täglich mit Spiliou, verbellte am Tor Katzen mit Pünktchen und schmuste mit Opa, ob der wollte oder nicht.

 
 
Er war glücklich und wir auch, denn er passte einfach großartig ins Rudel, war ein ausgesprochen lieber, edler und mittlerweile verträglicher Hund auch wenn er nur mit Hunden und nicht mit uns schmusen wollte. Spiliou schaffte es mühelos, Stromi dazu zu bewegen, sich auf den Rücken zu legen, um von ihm geleckt zu werden. Wir ertappten uns dabei, nun schon selbst zu studieren.... und mussten einsehen, dass wir eben keine Hunde waren. Doch die Frage blieb...wohin kann Stromi?
 

Es fand sich eine Familie nach vielen vielen Monaten. Sie war hier zu Besuch und hatte Stromi kennengelernt. Doch verständlicherweise war auch sie unsicher zunächst, stellte viele Fragen, die wir natürlich nur als Menschen und aus Erfahrung mit Amy beantworten konnten. Schließlich entschied sie sich, es zu probieren. Sie würde Stromi aufnehmen. Wir freuten uns riesig, endlich interessierte sich jemand für diesen wunderschön gestromten Hund, der uns fleißig, mit seiner ganzen Intelligenz, seit Monaten studierte.

 

Zwei Tage vor seiner Abreise, die Frage, wie wir ihn fangen würden, kreiste in unserem Gehirn, gelang es Marita, ihn eines Morgens als er an der Treppe schlief, anzufassen. Er ließ es zu, machte ein paar Tropfen Pippi und ließ sich danach mehrere Minuten am ganzen Körper knuddeln, ohne dass man ihn festhalten musste. War es möglich, dass er Bescheid wusste?

Wir werden es nie erfahren, schließlich sind wir nur Menschen, aber es war ein unglaubliches Gefühl. Wir wussten längst, dass er eigentlich keine Angst mehr hatte, aber Stromi zeigte uns deutlich, dass man einmal gelerntes erhalten nicht von heute auf morgen ablegen kann und das ist schließlich bei uns Menschen nicht anders.

 
 

Marita und Stromi hatten an diesem Morgen den Durchbruch geschafft. Es gelang ihr ein zweites Mal am selben Tag Stromi am ganzen Körper zu streicheln. Jedes Mal schaute er hinterher überglücklich, wenn auch mit einem letzten unsicheren Fragezeichen im Gesicht.  "Konnte es tatsächlich möglich sein, dass Menschen genauso schmusen wie Hunde, auch wenn sie nicht lecken?l.

Es war eine unglaubliche Freude für uns und er ließ sich auch am Morgen der Abreise schnell und problemlos in die Transportbox packen.
Stromi hat sein Diplom gemacht hier, ganz plötzlich und von sich aus.
Wir sind sicher, er hat genug studiert, die Zeit ist reif für den nächsten Schritt.
Wir wünschen Stromi von Herzen alles Gute für sein weiteres Leben mit ganz ganz vielen, schönen Erfahrungen.
Wir sind sicher, er wird weiter lernen und lernen.
 
 

Nachsatz: Stromi steht gerade mit Marita am Flughafen in Heraklion. Sie hat ihn aus der Box rausgeholt. Er steht in der Menschenmasse und lässt sich streicheln. Machs gut, lieber Stromi!

Text & Fotos: Steffie & Marita