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Hallo zusammen,

jetzt ist schon fast Weihnachten! Sagen alle... ich weiß ja nicht, was das zu bedeuten hat, aber alle sind sehr beschäftigt mit Besorgungen und Kochen und all so was... Komisch, eigentlich höre ich nur, dass keinem weihnachtlich zumute ist und dass alle froh sind, dass es hier nicht schneit und es keinen Weihnachtsbaum gibt und den ganzen Stress auch nicht. Aber irgendwie kommen sie mir doch alle ein wenig zu beschäftigt vor...
Na, mir ist es gleich. Ich habe nur mitbekommen, dass das Essen an Weihnachten immer was Besonderes ist. Also werde ich wohl auch was Besonderes bekommen. Da freue ich mich schon drauf. Nicht, dass das Essen hier nicht gut wäre - aber was Besonderes ab und zu finde ich spannend.

Ich konnte wieder nicht raus. Mist. Es hat fast den ganzen Tag geregnet. Und laut war es auch - Regen auf dem Dach und Gedonner im Himmel. Mir blieb nichts übrig, als Lina ein bisschen zu ärgern (die darf raus!) und mit der neuen Sofakuscheldecke zu spielen.

Jetzt kommt glaube ich die letzte Geschichte für den Adventskalender in diesem Jahr:

Spitha

Odyssee ist das richtige Wort, um den Weg von SPITHA zu beschreiben. Sie steht stellvertretend für viele Wege- und Stallhunde, die wir betreuen.
Als ich sie das erste Mal gesehen habe, lebte sie bei einem Schwerstalkoholiker, der sie zum Züchten  einsetzte. Bekam er Geld für die Welpen, wurde es direkt in Wein umgesetzt.
Natürlich durften wir sie nicht kastrieren und ich weiß nicht mehr, wieviele Würfe sie letztendlich hatte. Es waren viele.
Das einzige, was wir machen konnten, war die Versorgung mit Wurm- und Flohmitteln.
Die Beschreibung des Ortes, an dem sie leben musste, werde ich Ihnen ersparen, nur soviel, dieser Mann lebte mit acht Hunden zusammen in einem baufälligen Stall.

Dann eine Wendung: Bei einem anderen Bauern entdecke ich SPITHA und erkenne sie natürlich sofort wieder. Sie wurde „weitergegeben“ und auch hier soll sie „werfen“.
Da auf diesem Grundstück mehrere Hunde angebunden sind, ist es dreckig und es bleibt nicht aus, dass alle Welpen krank werden. Der Bauer ruft uns an, dass es bereits tote Welpen gibt. Wir nehmen alle auf und therapieren gegen Kokzidien, Giardien und Würmer jeglicher Couleur. Sie schaffen es, aber es war eine Riesenanstrengung und wir möchten einer Wiederholung vorbeugen, indem wir ein ausgiebiges Gespräch mit dem Besitzer führen. Informationen, dass zum Beispiel Giardien drei Monate im Boden überleben können und es dort keine Welpenaufzucht mehr geben darf.
Mit Engelszungen machen wir deutlich, dass SPITHA müde ist und kastriert werden müsste. Sie hat genug „gedient“. Es hilft alles nichts, wir dürfen nicht kastrieren und fühlen uns natürlich ausgenutzt. Viele werden nicht verstehen, warum wir doch wieder hingegangen sind, um nach dem Rechten zu schauen, aber das lässt sich nicht mit Worten erklären, sondern man muss in diese Augen geschaut haben.
SPITHA bekommt zumindest eine vernünftige Hütte von uns und wir versuchen, immer mal wieder zu „insistieren“...

Tatsächlich wird sie dann irgendwann über unsere Organisation kastriert, da sie schwach und krank wirkt, aber sie muss an Ort und Stelle bleiben.
An einem anderen Ort, nämlich bei der Schwester dieses Bauern, treffe ich sie dann später an. Sie musste wechseln, da diese auf der Suche nach einem Wachhund für ihre Enten war.
Und... ich sage das ungern... aber SPITHA hat eine Ente getötet und sollte „möglichst schnell“ weg. Zuerst konnten wir den Anruf gar nicht zuordnen, aber als ich zu besagten Leuten bin und sah, dass es um SPITHA ging, konnte ich meine Freude nicht verbergen.
Wir haben ihr so viele Jahre ein schönes, ruhiges, gesichertes, liebevolles Zuhause gewünscht und besonders dann, wenn sie uns tief in die Augen geschaut hat.... Diesen Blick vergisst man nicht.

Die Fotos sagen alles und jedes Wort ist ab jetzt zuviel. Ende gut, alles gut.

Tierliebe Grüße, Brigitte Scheichel

Das war also die Geschichte von Spitha. Man, hat die ein blödes Leben gehabt - aber auch viel Glück! Jetzt muss sie nicht mehr in schmutzigen Ställen wohnen, von Abfällen leben und ohne Streicheleinheiten.
Die hol ich mir jetzt auch noch - die Streicheleinheiten. Sonst kann ich nämlich nicht gut einschlafen...

Gute Nacht
Euer Kazou