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Pan Tau

Pan Tau

Pan Tau ist der große schwarze Hund rechts im Bild. Seinen Namen haben wir ihm willkürlich gegeben. Er hat nichts von dem gepflegten stummen Mann im schwarzen Anzug mit Melone, kann nicht zaubern wie er und kann sich erst recht nicht in eine Puppe verwandeln, um den Blicken der Menschen zu entkommen. Oder vielleicht doch ????
Seine Statur ist imposant, sein Blick ist ängstlich, er wirkt unsicher.
Aber dennoch oder gerade deshalb ist er ein ganz außergewöhnlicher Hund. Einzigartig wie jeder andere, aber für uns etwas ganz Besonderes . . .
Seine Geschichte begann da, wo die eines Anderen aufhört. Die von Tino.

Tino hatten wir in einer unserer wenigen Pflegestellen untergebracht, weil er sich nicht mit unserem Filos vertrug. Tino hatten Urlauber auf einer Ihrer Wanderungen aufgelesen und nach Absprache zu uns gebracht. Wenige Tage später hat er sich aus dem Staub gemacht.
Es folgten einige Anrufe von den wenigen Touristen, die hier auf Kreta den Herbst genießen. Es tut immer wieder gut, zu wissen, dass auch die Urlauber einen Blick auf das Wohlergehen der Tiere haben und sofort handeln, wenn es nötig ist.

Ein großer schwarzer Hund, kurz vor der Kourtaliotis-Schlucht. Prima, dachten wir, da ist er ja wieder. Ich, professionell mit kurzer Hose, T-Shirt und Badelatschen bekleidet, ab ins Auto. Leinen, Halsbänder und Futter haben wir ja immer dabei, machte ich mich auf den Weg. Kurz vor der Einfahrt zur Schlucht hab ich ihn schon gesehen. Rechts ran, mit Halsband, Leine und Leckerchen bewaffnet wollte ich ???, „mal eben ???“ Tino einfangen.
Denkste! ! !

Ich habe alles gegeben, bergauf, bergab. Immer wieder rechts und links um das Gewächshaus herum, immer hinter ihm her, aber es war kein Rankommen an diesen Hund. Langsam kamen mir die ersten Zweifel, wem folge ich hier eigentlich? Tino ist lieb, zutraulich. Ich hab ihn nur kurz erlebt, aber von Scheu, Zurückhaltung oder Angst war bei diesem Hund keine Spur. Nach einer Stunde hatte ich den großen schwarzen Hund dann endlich in einem Rondell aus Betonmatten, das eigentlich für Schafe gedacht ist, eingesperrt.
Ein paar Griechen aus der Nachbarschaft schauten sich interessiert mein Treiben an, aber ließen mich tun, was ich meinte tun zu müssen.
Nach etlichen vergeblichen Annäherungsversuchen war ich mir ganz sicher, es war nicht Tino, sondern ein ganz anderer Hund, den ich hier zu fangen versuchte. Nein, er hat mich nicht verzaubert, dafür hat er sich kleiner gemacht als er ist, um mir zu entkommen und ja, er hat mich wütend und am Ende sehr traurig gemacht, weil ich ihn doch einfach nur seinem unvermeintlichen Schicksal entreißen wollte, das ihm bevorstand.

In dem Rondell war kein Herankommen an ihn, also öffnete ich das Tor und gab frustriert auf . . .

Ein paar Tage später meldete sich eine Griechin bei Brigitte. Ein großer, schwarzer Hund streune ums Haus. Er sei sehr scheu, würde jedoch von ihren eigenen Hunden und der Familie bisher geduldet. Nun hätte er allerdings ein Lamm getötet und müsse dringend verschwinden, bevor ihr Mann dies erfährt. (Was dieser mit ihm angestellt hätte, beschreibe ich hier besser nicht).

Auch Brigitte gab alles. Doch nach drei Stunden, einigen in Fressködern versteckten „Calmivet“ und Einbruch der Dunkelheit, war immer noch kein Rankommen an den großen schwarzen Hund. Brigitte kapitulierte.

Am späten Abend erneut ein Anruf der Griechin. Die Beruhigungstabletten würden nun endlich wirken und man könne sich dem großen schwarzen Hund nun vorsichtig nähern. Sofort fuhr Marita hin um ihn abzuholen. An der Leine laufen wollte er allerdings nicht, sie musste dieses etwa 30 Kilo schwere Riesenbaby den ganzen langen Weg zum Auto tragen.

Nun war er also bei uns, PAN TAU

Pan Tau

Niemand von uns hat nur einen Schimmer von dem, was ihm bis zu diesem Zeitpunkt widerfahren war. In jedem Fall war er für seinen ehemaligen "Besitzer" nichts mehr wert, oder Pan Tau hat das Weite gesucht, warum auch immer.

Pünktchen und Filos hatten genauso wie Tobby, der für einige Wochen unser Pflegehund war, kein Problem mit ihm. Aber wir ! ! !

Eigentlich war alles klar zwischen uns, nur "Gucken verboten !!!"
Was heißt, Pan Tau kommt näher, aber nur, wenn man nicht guckt. Aber wie soll das bitte gehen, Pan Tau zu streicheln wenn er immer wegrennt? Und wie sollen wir ihm je näher kommen,  wenn wir dafür mit geschlossenen Augen hinter ihm he irren müssen? Also gaben wir ihm die Zeit, die er brauchte, um seine Angst zu überwinden.
Drei, vier Tage später der erste Erfolg. Pan Tau hatte verstanden, wohin unsere Hunde immer verschwinden. Im Winter haben wir an unserer Terrassentür zur Wohnung so eine Art Hundeklappe, durch die unsere Hunde jederzeit ins Haus bzw. in den Garten können. Diese Tür hat es Pan Tau fortan angetan.

Anfangs steckte er nur seinen Kopf in den Wohnraum. Immer wieder und wieder, als könne er nicht glauben, was er sah.
Der Kamin brannte, ein leckerer Duft kam aus der Küche. Pünktchen lag mit Marita auf dem Sofa, die anderen Hunde lagen glücklich und zufrieden auf ihren Decken und schliefen. Leise, ungewöhnliche Klänge waren zu hören und der ganze Raum war vom Licht des Feuers und der Kerzen erleuchtet, seltsame Dinge sah er in dem Raum.
Seine Angst war aber zu groß, um den Raum zu betreten, da half auch keine Zauberei.

Ein paar Tage später fasste er allen Mut zusammen und betrat auf leisen Pfoten den Raum der vielen Geheimnisse. Marita und ich konnten Pan Tau kaum hören. Wir schauten absichtlich nicht in seine Richtung um ihn nicht zu verunsichern. Aber sein Schatten verriet uns wo er war. Er untersuchte alles, jeden Stuhl, jeden Schrank, den warmen Ofen. Vorsichtig schnupperte er ein wenig näher an dem Topf, der auf dem Herd stand und ihm wieder mit den aufsteigenden Gerüchen das Wasser im Maul zusammen laufen ließ. Er schaute nach oben, kein Himmel, sondern die Schatten der Kerzen bewegten sich an der Decke des Wohnraums.
Nach diesem ersten Besuch bei uns im Wohnraum ging es fortan: "Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln". Er schlich sich rein, ich guckte ihn an - und schwups war er wieder draußen, drehte sich um und war wieder drin, und das den ganzen Tag.
Die Funktion eines Wachhundes hat Pan Tau von seinen Kollegen schnell gelernt und bellte nun bei jeder Gelegenheit, zumindest bei allen die ER für wichtig hielt. Um ihm beizubringen, dass er nicht bei allem bellen muss, hab ich ihn dann regelmäßig ermahnt. Dies hatte aber kaum Erfolg. Einmal hatte ich dabei zum Schutz vor Regen eine schwarze Kappe auf. Er ist fast ausgeflippt, so hat er sich aufgeregt und bellte von nun an selbst mich an, auch, wenn es nicht regnete.

Um zu erkunden, was denn so hinter unserem Haus so alles vor sich ging, da wo so viele Leute mit oder ohne Tiere hingingen und wieder herkamen, sprang er in einer ruhigen Minute über den Gartenzaun. Klar ist der hoch genug, nicht aber für Pan Tau. Nach einem ausgiebigen Ausflug stand er dann laut bellend hinter dem zweiten Zaun, der links vom Haus ist und wollte wieder nach vorne auf den Hof. "Spring doch!" rief ich ihm zu. Aber er bellte nur weiter. OK, ich lass Dich rein. Tor auf, aber er suchte das Weite. Ich also hinter ihm her und als ich Pan Tau wieder fand, stand er vor dem Tor, über das er gesprungen war und bellte, natürlich.
Also ließ ich beide Tore auf und nachdem ich mehrere Male ums Haus gerannt bin, war er wieder vorne auf dem Hof und blieb auch da.
Marita hat dann am nächsten Tag den Zaun erhöht, Abhauen war seitdem nicht mehr drin.


Pan Tau

Nun gab es ja auf unserem Hof auch mal einen Rasen, aber das war lange vor seiner Zeit. Ich glaube, es muss unser Pünktchen gewesen sein, die ihn über die weiteren Schritte der anstehenden Bauarbeiten informierte. Sie hat nämlich schon lange, immer mit Unterstützung unserer Pflegehunde, das Projekt Tunnelbau in Arbeit. Und die Fortschritte konnten sich durchaus sehen lassen. Direkt an der Kante zum Pflaster, dort wo einmal der Rasen war, konnte man schon deutlich den Eingang sehen. Pan Tau wollte auch in dieser Disziplin nicht hinten anstehen. Buddelte fleißig mit und begann sogar, ein paar Tage später den Ausgang auf der anderen Seite des Hofs freizulegen, direkt unter einer Palme. Das konnte nur er gewesen sein, denn er hat ordentlich was geschafft mit seinen großen Pfoten.

Pan Tau

Dass die Futterzeiten auf morgens und auf den Spätnachmittag gelegt wurden, fand er anfangs klasse und hat alles immer genüsslich verschlungen. Aber was ist mit dem kleinen "Hüngerchen" zwischendurch? Also lernte er als nächstes, dass der Tisch tabu ist. Ja, er war es. Wir konnten die Abdrücke mit dem Lehm seiner Baustellen von seinen großen Pfoten deutlich erkennen.
Na dann nehmen wir uns hat mal die Blumen vor. . .
Die bzw. das, was von ihnen noch übrig war, standen von nun an auf einer anderen Terrasse in Sicherheit.

Nix darf man, doch spielen, aber mit wem? Pünktchen war nicht so recht sein Fall, vielleicht zu klein? Unser dicker Filos auf jeden Fall viel zu träge und Tobby wurde schon vor Tagen nach Deutschland in sein neues Zuhause geflogen. Da kam Evi, ein ebenso großes Kalb wie Pan Tau gerade recht.

Evi

Die Hündin hatte ebenso wenig Benehmen wie er, dafür aber um so mehr Unsinn im Sinn. Auf dem Tisch liegen, vom Matsch aus der Baustelle rauf aufs Sofa, Polster oder Stühle oder Bretter auffressen, oder, oder, oder... Ihr gingen nie die Ideen aus. Aber nun hatte Pan Tau endlich eine ebenbürtige Spielkameradin und es war herrlich anzusehen, wenn die beiden tobten. Auch Pünktchen war immer mit dabei. Wir konnten sie in dem Gewusel nicht immer erkennen, aber ihr Quieken hören, wenn sie mal wieder "unter die Räder" gekommen war.

Pan Tau

Es war eine schöne Zeit mit Pan Tau, auch wenn ich während seines Besuchs bei uns, meist auf mein geliebtes Nachmittagsschläfchen verzichten musste. Und die Schäden, die er angerichtet hat, auch wenn sie deutlich über dem Durchschnitt lagen, sind schon längst vergessen.

Er, Pan Tau, wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Mit seiner ganz besonderen Art, uns gegenüberzutreten, immer auf Distanz, aber trotzdem war er uns ganz nah.
Am Tag seiner Abreise ließ er sich von Marita kraulen und bürsten. Er genoss es und hat uns mit dieser Geste noch ein großes Abschiedsgeschenk gemacht.
Wie bei jedem Hund, den wir nach Deutschland vermitteln, haben wir auch „seine“ Pflegestelle über sein Verhalten und seine Probleme informiert. Wir wissen, dass Pan Tau seine neue Familie genauso wie uns verzaubern wird mit seinem unvergleichlichen Charme.

Pan Tau eben . . .

Pan Tau

Text und Fotos: Jürgen

 

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