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Das Wenige, das Du tun kannst, ist viel, …

… wenn du nur Schmerz, Weh und Angst von einem Wesen nimmst. Immer wieder kam mir dieses Zitat von Albert Schweitzer in den Sinn, als Gisela Bloos, Claudia Nickaes-Ley und ich im Anfang Oktober unsere Freunde in Plakias auf Kreta besuchten (wie immer auf Privatkosten). Knapp zwei Tage lang begleiteten wir Brigitte, die "Chefin" von Animal Protection and Lifeline (Apal,) auf ihrer "Stallrunde" in der Region Finikas. Unter Stallrunde verstehen die Apaler, wie ich sie im Folgenden der Einfachheit halber nenne, die Versorgung der von ihnen betreuten Stall- und Wegehunde. Wir haben im letzten Rundschreiben ausführlich darüber berichtet. (Wer möchte, kann den Bericht im Internet unter www.tsi-odenwald.de|Wir über uns|Rundschreiben nachlesen.)

Traurige Tour mit Lichtblicken

Über 50 Hunde versorgten wir an den beiden Tagen, legten neue Flohhalsbänder an, verabreichten Wurmkuren, reinigten Ohren, säuberten Areale und Wassereimer und füllten frisches Wasser auf. Natürlich gab es auch immer viele Streicheleinheiten – meist die einzigen bis die Apaler in etwa drei Monaten wiederkommen. Wenn etwas zu erneuern war (Halsbänder, Ketten, Wassereimer usw.), notierte Brigitte es für ihren nächsten Besuch.
Wir waren sehr effektiv, jeder tat seinen „Job“, wer gerade eine Hand frei hatte, packte bei den anderen mit an. Wenn einer die Runde alleine macht, wie es bei den Apalern mangels Helfern die Regel ist, ist er gut zwei Wochen lang im Dauereinsatz, bis die rund 100 Hunde in dem Programm versorgt sind.
Ja, es war wenig, was wir tun konnten, verließen wir die Hunde doch stets mit dem beklemmenden Gefühl, dass sie vermutlich den Rest ihres Lebens unter diesen widrigen Umständen an diesem trostlosen Platz verbringen müssen. Und doch ist es für jeden einzelnen dieser Hunde so viel. Was würde aus ihnen, wenn die Apaler nicht ständig bemüht wären, ihr Los im Rahmen des Möglichen zu verbessern?
So fanden wir an vielen Plätzen die von uns gesponserten Schutzhütten vor. Sie bedeuten eine enorme Verbesserung für die Tiere, die ohne Hütte schutzlos oder allenfalls mit einem rostigen Fass als Unterschlupf der heißen Sonne Kretas ausgesetzt sind. Immer wieder informierte uns Brigitte auf der Tour, dass hier ein Hund kastriert, dort ein Missstand behoben werden konnte. Auch, dass an dem einen oder anderen Platz die Hunde relativ gut versorgt waren, ist ein Ergebnis der intensiven Arbeit der Apaler. Ganz offensichtlich konnten sie doch schon bei einigen Griechen ein Umdenken anstoßen. Die Fortschritte sind unverkennbar, wenn auch oft schmerzlich klein.
Wie bei der Mutterhündin, die die Apaler wegen Unterernährung und einer Verletzung am Bein mitsamt ihren sechs Jungen aufnehmen durften, bis sich ihr Zustand gebessert hatte. Die traurige Kehrseite der Geschichte: Die Hündin und zwei ihrer Jungen mussten zurückgebracht werden – gerade als wir unsere Stallrunde abfuhren. Da standen wir nun mit Brigitte vor dem Welpengehege und mussten entscheiden, welche der Kleinen ihr künftiges Leben in der Einsamkeit, festgebunden an einer Kette fristen sollten. Dann die Hündin noch einmal liebevoll gedrückt und auf ging’s zu unserer traurigen Mission – es gab viele Tränen an diesem Tag. Wie die Apaler mit solchen Situationen fertig werden, die für sie keine Seltenheit sind? „Wir müssen nach vorne schauen“, sagte Brigitte. „Wir müssen die vier Welpen sehen, die wir retten konnten. Nur so können wir überhaupt weitermachen.“ Die Vier haben übrigens inzwischen im Odenwald ein liebevolles Zuhause gefunden.

Und immer wieder kommen neue Hilferufe

Immer wieder klingelte Brigittes Telefon, weil irgendwo Hilfe gebraucht wurde. So meldeten sich Touristen, denen auf einer Wanderung ein Welpe hinterher gelaufen war. Noch am Abend wurde er vorbei gebracht. Er hatte Tausende von Flöhen und verhielt sich entsprechend hysterisch. Nach der erfolgreichen Flohbehandlung durfte er mit den anderen Welpen zusammen in das Gehege.
Ein anderer Anruf kam von einer griechischen Familie aus Rethymnon: Eine Streunerhündin hatte sich zu ihren Rüden gesellt und nun sechs Welpen zu Welt gebracht. Sie konnte mit ihrem Nachwuchs unmöglich dort bleiben, da der Hof an einer Schnellstraße liegt und das Grundstück nicht umzäunt ist. Die Hündin wurde mitsamt ihren Jungen abgeholt – in der Hoffnung, alle noch bis Ende Oktober ausfliegen zu können. In der Wintersaison gibt es nämlich fünf Monate lang keine Charterflüge von und nach Kreta, und die vorhandenen Pflegeplätze reichen dann selbst für die dringendsten Fälle, wie Vergiftungen, Unfälle oder Welpen, kaum aus.
In einer Taverne war ein bislang unbekannter Streuner aufgetaucht. Leider traf ihn Brigitte nicht mehr an, da er sich losgerissen hatte. Am nächsten Tag ein erneuter Anruf, diesmal hatten die Tierschützer Glück und konnten den jungen, kleinen braunen Wuschel mitnehmen. Er verhielt sich freundlich, sodass die Vermutung nahelag, dass es sich um einen Haushund handelte. Er hatte keinen Mikrochip, und auch über die aufgehängten Fotos ließ sich der Besitzer nicht finden. Wahrscheinlich wurde der Hund ausgesetzt. Auch er durfte später in den Odenwald kommen und wurde inzwischen durch uns vermittelt.
Bei der Einkehr in einem Kafenion sahen wir einen mittelgroßen Hund, der mit abgerissener Kette über die Straße lief. Wir versuchten, ihn zu fangen – vergebens. Brigitte suchte später noch mehrmals nach ihm. Irgendjemand erzählte dann, dass er einem Griechen gehöre, der ihn selbst wieder eingefangen habe.
Eigentlich sollte während unserer Zeit auf Kreta im Kloster Preveli noch eine Katze eingefangen werden. Sie wurde dort mit Maul- und Atmungsproblemen gesehen. Brigitte verschob es aus Zeitmangel bis nach unserer Abfahrt. Im Kloster sind alle Katzen kastriert und werden von den Tierschützern mit Futter versorgt. Der Priester gibt Bescheid, wenn ein Tier krank aussieht – auch dies ein Beispiel dafür, dass die Tierschützer in der Region Finikas durchaus Fortschritte erzielt haben. Früher hätte sich dort niemand um den Zustand der Katzen gekümmert. Insgesamt sind es mittlerweile etwa 50 Personen, die von Apal mit Futter beliefert werden und zusammen um die 700 Streunerkatzen versorgen.
Am Morgen vor unserer Rückreise fanden wir selbst zwei kleine Katzen schreiend vor Hunger am Straßenrand. Sie kamen zu Kathie, einer Engländerin mit einem großen Herz für Tiere und einem wunderbaren Katzenhaus. Hier werden die Notfälle untergebracht und bis zu ihrer Vermittlung versorgt. „Unsere“ Beiden durften inzwischen in ihr neues Zuhause in die Schweiz übersiedeln.
Mit drei Hunden und zwei Katzen (Letztere für einen anderen Tierschutzverein) im Gepäck traten wir am Nachmittag die Heimreise an. Ach so, ja, wir waren übrigens nicht mehrere Wochen auf Kreta, all dies geschah in einem Zeitraum von nur 3½ Tagen – es ist einfach unglaublich, welche Arbeit Brigitte und ihre wenigen Mitstreiter in Plakias bewältigen. Diese Menschen haben unsere Unterstützung mehr als verdient. Ich bin froh, dass wir dort wenigstens ein bisschen helfen können!

Esther Görlich, Fürth