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Der Odenwald Bericht

Euer Kazou ist heute nicht wirklich gut drauf!
Jo ist um 6 aufgestanden und weil ich so lange und laut rumgemaunzt habe, hat er mir gleich etwas zu fressen gegeben. Dann kam seine Lina und hat mir alles weg gefressen, den ganzen Topf!
Außerdem passierte gestern da draußen etwas, was ich nicht verstehe.
Klar, Jo hat lange rumgewerkelt zwischen den Bäumen und geflucht wie ein Rohrspatz hat er auch.
Gestern Abend bei meiner Chirotherapie hat er etwas von Zuwachs gemurmelt, eine Schäferhündin hätten wir jetzt und ich sollte mich mal nicht so anstellen.

Wenn ich den Bericht von Diana aus dem Odenwald lese, dann glaube ich, dass es hier noch viel zu tun gibt in Sachen Tierschutz:

Arbeitseinsatz auf Kreta

Endlich!

Der herbei gesehnte 30. September stand vor der Tür, und ich fieberte unserem Flug auf die Sonneninsel Kreta entgegen. Doch diesmal ging es nicht in den All-Inklusive-Urlaub mit Mann und Kindern, sondern zum Arbeitseinsatz bei unserem Partnerverein APAL mit der 1. Vorsitzenden Brigitte Scheichel.
Seit drei Jahren fliegen Mitglieder des Vorstandes auf eigene Kosten nach Kreta, um einige Tage hautnah mitzuerleben, welche Arbeiten vor Ort geleistet werden, und diesmal war ich mit von der Partie.

In Heraklion angekommen, ging es gleich in Richtung Plakias. Die warme Sonne fühlte sich gut an, und als wir uns Plakias näherten, glitzerte sie auf der Meeresoberfläche, und ich fühlte mich wohl hier, so wie bei den letzten Familienurlauben. Obwohl ich schon viel über die Arbeit unserer Freunde in Plakias wusste, hätte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht für möglich gehalten, was mich in den nächsten fünf Tagen erwarten sollte.

Die Kastrationsaktion
In Plakias angekommen, begrüßten wir unsere Freundin Brigitte, die mitten in einer Kastrationsaktion steckte. Eine Tierärztin vom Tierärztepool, die auf der ganzen Welt solche Aktionen durchführt, war zwei Tage lang bei APAL im Einsatz. An unserem zweiten Tag erlebten wir diese Aktion live und konnten nach unseren Kräften unterstützen. Angefangen beim Scheren von einem Kettenhund, Aufstellen von Katzenfallen, damit die Tiere zum Kastrieren gebracht werden können, bis hin zum Säubern der OP-Instrumente – wir waren zu allem bereit. Die Tierärztin kastrierte innerhalb von zwei Tagen rund 70 Hunde und Katzen, führte eine Augen-OP sowie eine Beinamputation an einem Hund durch. Was diese Frau mit ihrem Helfer Roman in diesen Tagen absolvierte, war unglaublich. Hut ab vor den Beiden!
Nach einem langen Arbeitstag, an dem es auch genug Zeit für Streicheleinheiten bei den kastrierten Hunden gab, kam am Ende die bittere Realität – die Hunde mussten nach der Kastration zurück zu ihren Besitzern an die Kette. Musste ich das nun verstehen? Brigitte erklärte mir, dass vor ein paar Jahren die Bauern alle gegen Kastrationen waren. Ihrer Meinung nach sollten die Hündinnen wenigstens einmal Babys bekommen. Alles andere sei gegen die Natur. Es hat Jahre gedauert, bis der Verein die Menschen in der Region Plakias zum Umdenken bewegen konnte, sodass manche einer Kastration ihrer Hunde und Katzen zustimmten.

Mein Findelkind

An diesem Tag hatte ich ein tolles Erlebnis. Beim Zurückbringen eines kastrierten Hundes sah ich einen streunenden Hund in den Bergen. Brigitte fuhr ihm nach und wir sahen, wie er in einen Olivenhain rannte. Ich schnappte mir Wurst, die Brigitte immer bei sich hatte, sprang aus dem Auto und versuchte ihn zu locken. Und siehe da, es dauerte nicht lange und es kam eine grau-schwarze kleine Hündin auf mich zu. Ich nahm sie auf den Arm, verfrachtete sie ins Auto und wir nahmen sie mit zu Brigitte. Hier wurde sie gleich von der Tierärztin kastriert. Ich bestand darauf, dass diese kleine Dame nach Deutschland kommen würde. Brigitte taufte sie auf den Namen Diana.
Zwei Wochen, nachdem wir Kreta verlassen hatten, kam Diana zu uns in den Odenwald in eine Pflegestelle. Am liebsten hätte ich sie natürlich behalten, aber dann wäre es mir nicht mehr möglich, als Pflegestelle zu fungieren und Hunden zu helfen. Somit wird sie ein anderes tolles neues Zuhause finden.

Versorgung der Kettenhunde

Am zweiten Arbeitstag sollte die Kettenhundeaktion durchgeführt werden. Von dieser hatte ich schon von meinen Kolleginnen gehört. Doch was mich dort erwartete, hätte ich mir nicht vorstellen können. Mit Brigittes Jeep ging es über Schotterwege, die kaum befahrbar waren, in die Berge. Ausgestattet mit riesigen Wasserkanistern, Hundefutter, Flohhalsbändern in verschiedenen Größen, Wurmtabletten, Floh- und Zeckenspray fuhren wir den ersten Stall an. Ein Taubenschlag, der mich sprachlos stimmte. Hier wohnte keine Menschenseele. Ein kleines Gebäude, welches aussah wie eine alte Garage. Davor befanden sich fünf Hunde, jeder an einer Kette befestigt. Sie freuten sich, uns zu sehen, drückten ihre dünnen Körper an uns und waren für jede Streicheleinheit dankbar.

Jeder von uns hatte seine Aufgabe: Esther säuberte die dreckigen Wassereimer und füllte sie mit frischem Wasser. Brigitte und Gisela verabreichten Wurmtabletten und neue Flohhalsbänder. Claudia rechte den Hundekot und Dreck zusammen, ich gab den Hunden frisches Hundefutter. An diesem Tag fuhren wir acht solcher Ställe an. Entweder werden diese Hunde zum Jagen benutzt oder als „Stoppschild“ für die Schafe. Sie ketten die Hunde an der Straßenseite an. Die Schafe werden diese Straße wegen des Hundes nicht passieren und somit hat der Hund seinen Nutzen vollbracht. Dies in der prallen Sonne, an einer kurzen Kette, manchmal ohne Wasser und nur mit wenig Futter. Würden Brigitte und ihre Helfer diese Tour nicht regelmäßig auf sich nehmen, wer weiß, wie sie manche der Hunde vorfinden würden.
Was mich faszinierte: All diese Hunde suchten unsere Nähe, wollten gestreichelt und geschmust werden. Oft kam mir der Gedanke: „Wieso muss dieser tolle Hund hier an der Kette leben? Würde ich ihn mitnehmen, könnte ich ihm ein besseres Zuhause bieten.“ Jedoch erklärte mir Brigitte, dass innerhalb kürzester Zeit ein neuer Hund an dieser Kette hängen würde. Sie kann nur den Hunden helfen, die nicht mehr gewollt werden, sei es, weil sie schlecht jagen oder zu alt geworden sind.
Nach sieben Stunden endete dieser Arbeitstag. Abends lag ich noch lange wach und ließ den Tag Revue passieren: Hat ein Hund so ein Leben verdient? Wie kann man glauben, dass ein Hund keine Gefühle hat und keine Schmerzen verspürt? Dies ist nämlich die Meinung der meisten Kreter.
Der dritte Arbeitstag brachte uns wieder in die Berge der Region Plakias. Wir verteilten zehn neu gebaute Hundehütten an Vierbeiner, die bis zu diesem Zeitpunkt nur eine verrostete Tonne hatten.

Nach fünf Tagen sollte es wieder nach Hause gehen …

Während unseres Aufenthaltes besuchten wir Kathy und Brian, die Katzenpflegestelle. Hier befinden sich 70 Katzen in unterschiedlichen Bereichen. Die Babykatzen saßen in großen Katzenzimmern in der Krankenstation zur Beobachtung. Ältere Katzen mit eigenen Zimmern und Auslauf leben hier wie im Katzenparadies.
Am vierten Tag brachten wir einen kranken Hund zu unserer Tierärztin, die mittlerweile in einer anderen Stadt im Norden Kretas Kastrationen durchführte. Wir sahen somit schöne Fleckchen auf der Insel und vollbrachten wieder ein gutes Werk.
Nach fünf Tagen sollte unser Arbeitsurlaub beendet sein, aber „Wenn Engel reisen ... streiken die Griechen“ und somit mussten oder besser gesagt „durften“ wir noch einen Tag länger auf der Insel verbringen.
Die Heimreise traten wir mit drei tollen Hunden an. Ich freute mich, dass die drei es geschafft hatten, diesen Ketten zu entkommen und in unserer Region ein neues tolles Leben zu starten.
Brigitte durfte ich schon Anfang des Jahres hier in Deutschland kennenlernen. Doch diesmal erlebte ich sie auf „ihrer“ Insel inmitten des ganzen Elendes. In der Region Plakias gibt es außer dem Verein APAL, der aus einer Handvoll Helfern besteht, keinen Tierschutz wie in Deutschland. Sie sind hier allein auf weiter Flur und bewegen so viel. Brigitte, eine starke Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht und stundenlang auf der Insel Tierschutz betreibt. Ihr Handy klingelt ununterbrochen. Es melden sich Flugpaten, die ein Tier mit nach Deutschland nehmen würden, Griechen, die den Rüden wegen Alters abgeben wollen, Helfer, die einen abgemagerten Hund gefunden haben, und, und, und. Ich fragte mich oft, wo sie wohl die ganze Kraft her nimmt!
Nachdem ich nun wieder seit drei Wochen von der Insel zurück zu Hause bin, weiß ich noch mehr denn je, warum ich diesen Vierbeinern aus dem Ausland helfen möchte. Ich arbeite viele Stunden ehrenamtlich für unseren Verein und liebe jede Stunde davon. Ein Lebewesen sollte nicht geboren werden, um sein Leben lang an einer kurzen Kette zu hängen, kein richtiges Futter zu bekommen, selten frisches Wasser. Ich möchte gerade diesen Vierbeinern helfen, ein besseres Leben zu starten, sei es im jungen Welpenalter oder als ausrangierter Jagdhund.

Diana Wolf, Einhausen
Vor dem einsamen Gebäude befanden sich fünf Hunde, jeder an einer Kette befestigt.
Oft bietet eine rostige Tonne den Hunden den einzigen Schutz vor Wind und Wetter.
Die stabilen Hütten bringen wenigstens ein bisschen Licht in das trostlose Dasein der Kettenhunde.

Ich nehme es einfach mal so hin wie es ist. Letzte Nacht durfte Lina mit in seinem Bett schlafen. Weil Jo so ein schlechtes Gewissen hatte und den ganzen Tag unterwegs war.
Aber ich sage euch eins: Heute Nacht werde ich mich auch in Jos Schlafzimmer schleichen und mir ein schönes warmes Plätzchen suchen, genau wie Lina. Und wenn ich Morgen früh mein Futter bekomme, werde ich es alles auf ein Mal auffressen, denn gegen Lina muss ich mich einfach mal durchsetzen! Ist ja nicht so, als bekäme sie nix zu fressen oder hätte nix zu sagen.
Wenn ich Morgen früh wach werde, bestehe ich darauf, diese Schäferhündin persönlich kennen lernen zu dürfen!

Davon erzähle ich Euch Morgen - und von Kasimir.