Lieber Kazou,
erstmal möchte ich Dir sagen, wie toll ich es finde, dass Du uns jeden Tag erzählst, was in Deinem Leben so vorgeht.
Heute hast Du in dem Text nur sehr wenig Fehler gemacht - es hat sich kaum gelohnt, es Korrketurzulesen... |
|
Es ist natürlich nicht in Ordnung, dass Lina Dir Dein Katerfutter weg frisst!
Aber es ist für Lina eine besondere Situation. Du hast es wahrscheinlich noch nicht bemerkt -
und für eine Katze ist ein Hund im Allgemeinen ja auch nicht sooooo interessant...
Aber Lina ist blind. Sie kann gar nichts sehen. Und für sie ist alles natürlich noch viel aufregender.
Stell Dir vor: sie kann Dich nicht sehen. Sie kann Dich nur hören, riechen und manchmal fühlen.
Jedesmal, wenn sie Dich leicht mit ihrer Nase stupst und sich dann schnell wieder zurückzieht, versucht sie zu ergründen, wer denn dieser neue kleine Mitbewohner ist.
Und da sie ihre Nase natürlich viel mehr einsetzt, als Lebewesen, die sehen können, führt diese Nase sie auch unweigerlich zu Deinem Futter! Tja, wer könnte da widerstehen! |
 |
Kasimir, oh Kasimir,
Dein Ruf eilt Dir voraus. . . .
|
|
Wieder einmal hat uns Brigitte gebeten, auf unserer Heimreise von Kreta nach Deutschland einen kleinen vierbeinigen Passagier mitzunehmen. Er wäre aber nicht ganz einfach, 6 Monate alt, ein rechter Wildfang, zu allen Schandtaten bereit und wir sollen ihn uns erst mal bei Marita und Steffi anschauen und dann entscheiden, ob er uns begleiten soll.
Gesagt, getan, wir fuhren zu Marita und Steffi, um Kasimir kennenzulernen:
Wow, was für ein kleiner Wirbelwind, so nach dem Motto „hoppla hier komm ich“ wurden wir begrüßt, angeknabbert, aber auch beschmust ohne Ende. Er schlug Saltos, ärgerte die anderen Hunde und war voller Energie, wie es sich für einen „Halbstarken“ gehört.
Wir mussten schon etwas schlucken bei der Vorstellung, diesen kleinen Mann bei unserer kombinierten Auto-und Schiffsreise im Zaum zu halten. Aber was soll`s, der Kleine wurde bereits in Deutschland erwartet und wir waren seine letzte Chance, vor dem Winter auszureisen. Inzwischen war November und es gingen keine Charterflüge mehr.
Am Abend der Abreise hat Marita uns Kasimir gebracht. Wie es sich für Marita gehört, wollte sie natürlich nach jeder Etappe eine SMS über den Stand der Dinge. Wir versprachen es und fuhren los Richtung Heraklion. Zu unserem Erstaunen hörten wir den ganzen Weg keinen Pieps von Kasimir. Immerhin dauerte die Fahrt 1,5 Stunden und wir hatten eigentlich mit Gejammer gerechnet. Er schien sich in der Transportbox doch recht sicher zu fühlen.
Nach einer kurzen Gassirunde fuhren wir auf die Fähre. Leider mussten wir auf das unterste Deck fahren. Ich stieg mit dem Gepäck bereits oben aus und Gert sollte dann nachkommen. Wir wollten den Kleinen in dieser kurzen Nacht im Auto lassen. Jedoch hat sich der Einweiser als „echter griechischer Tierfreund“ entpuppt. Er hat deutlich davor gewarnt (wegen der Belüftung) und ihn sogar an der Leine gehalten, bis Gert eingeparkt hatte. Dann hat er noch erzählt, dass auch er im Tierschutz tätig ist und Fotos von seinem Hund gezeigt. Ich muss im Nachhinein schmunzeln bei der Vorstellung, was wohl die folgenden Fahrer dachten, die nun auf ihre Einweisung etwas länger warten mussten. Auch das gibt es bei den Griechen. Toll!
Nachdem wir unsere Kabine bezogen hatten, waren wir noch ein bisschen auf Deck mit Kasimir und wieder waren wir überrascht, wie souverän er das Ganze meisterte. Klar wurde etwas gehüpft und gehampelt, aber es hielt sich in Grenzen.
Nachdem er die Nacht im „dog kennel“ des Schiffs verbracht hat, war die Freude groß, als er frühmorgens wieder geholt wurde. Mann was ein Gezappel, die ersten 5 Minuten war er außer Rand und Band. Nachdem er sich beruhigt hatte, beschloss ich, mit ihm zu Fuß die Fähre zu verlassen und Außen auf Gert zu warten. Gert war etwas skeptisch wegen der vielen Leute, aber Kasimir fand es tol,l plötzlich so viele Hände um sich zu haben, die ihn auch noch streichelten. Überraschend cool ging er mit mir alle Treppen und wir warteten vor dem Schiff auf Gert. Total stressfrei!!!
Nach einer guten Autofahrt von Piraeus nach Patras mit vielen Pausen |
|
|
|
warteten wir im Hafen von Patras entspannt auf die Abfahrt. |
|
Langsam entpuppte sich Kasimir als „Männerhund“, denn Gert war für ihn das Allergrößte wie man sieht |
Auch nach der Abfahrt des Schiffes ließ er ihn nicht aus den Augen. Auf Deck wich er nicht von Gerts Seite und schrie wie ein Kind, wenn er sich nur einen Kaffee holen wollte. Bei mir hingegen wurde nur kurz gefiept. |
|
Am Besten fühlte er sich zwischen den „Männerfüßen“. |
|
Originaltext von Kasimir: „Na dann lass ich mich halt mal mit der Frau knipsen. Sie geht ja auch schließlich mit mir an Bord Gassi. Aber jetzt brauche ich wieder Kontakt zu den Männerfüßen.“ |
|
Am nächsten Tag kam dann die Feuerprobe: 1200 Kilometer mit Übernachtung in Norditalien.
Auch das hat er gemeistert wie ein Großer. Unterwegs scherzten wir manchmal, ob wir ihn irgendwo vergessen haben, weil es so ruhig im Auto war.
Am Ende der Reise übergaben wir ihn seiner neuen Familie, die schon total gespannt war, wie er so ist. |
|
Kleiner Kasimir, Dein Ruf eilte Dir voraus, aber Du hast uns mit Deinem freundlichen Wesen und mit Deiner Souveränität total überrascht. Es hat Spaß gemacht, Dich nach Hause zu begleiten und wir wünschen Dir ein wunderschönes Leben in Deutschland und Deiner Familie viel Freude mit Dir. |
|
Christa und Gert Rahn, im November 2011 |
Kannst Du Dir das vorstellen? Mach mal die Augen zu. Und stelle Dir vor, sie wären Dein Leben lang geschlossen.
Du kannst nicht mehr sehen, wo Du bist. Auch Jo und Lina kannst Du nicht mehr sehen, auch Dein Futternapf nicht
und nicht den Teppich, den Du zusammengeknäuelt hast. Deinen kleinen Ball kannst Du nur fühlen - und hören, wie er am Boden entlang rollt.
Dein Fressen kannst Du nur riechen und immer in die Richtung gehen, wo der Geruch herkommt. Sicher würdest Du irgendwann die Wege kennen, so wie Lina sie auch kennt.
Ich glaube, Du kannst es Dir nicht vorstellen. Es ist sehr schwer für Jemanden, der sehen kann, sich vorzustellen, wie es ist, blind zu sein.
Und Lina konnte nie sehen. Das ist vielleicht gut so.
Deshalb lebt sie in einer ganz eigenen, anderen Welt als Du.
Und wenn sowas mal passiert, dass sie Deinen ganzen Napf leer frisst, dann kannst Du sicher sein,
dass sie es nicht tut, um Dich zu ärgern. Und Du kannst sicher sein, dass Du ganz bestimmt neues Futter bekommst!
Dafür wird Jo schon sorgen.
So, kleiner Kazou, nun wünsche ich Dir einen schönen Tag - vergiss Deine Übungen für Dein Bein nicht, das ist wichtig,
damit Du bald wieder richtig laufen, spielen, toben kannst!
Ich freue mich schon, Morgen wieder von Dir zu lesen!
Liebe Grüße
Silke |
 |
Morgen erzählen Euch Elli & Albert eine Adventsgeschichte, Polizisten sind auch dabei . . .
Seid mal gespannt!
Euer Kazou |