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Hippie

Meine Güte habe ich lange geschlafen! War aber auch sehr anstrengend Gestern, mein erster Ausflug. Das mit der Zacke in dem Ohr von der Katze, der ich gestern begegnet bin, geht mir nicht aus dem Kopf. Das muss, glaube ich, so eine Art Zeichen sein. Vielleicht gehört sie zu einer Bande, die alle das gleiche haben, damit jeder weiß, wer dazu gehört und wer nicht. Jo schweigt dazu wie ein geschlossenes Buch.
Also erzähle ich Euch etwas von mir. Vielleicht von meinem ersten Spielzeug. Jo hat es extra für mich gebastelt. Es ist ganz leicht und glänzt immer so schön. Ein kleiner Ball, ich schubse ihn und renn´ hinter ihm her, hocke mich in Deckung und dann, wenn er mal nicht aufpasst, springe ich auf ihn drauf und schwupps hab´ ich ihn.

Nun aber erst mal zu unserer heutigen Adventsgeschichte. Die hat diese Frau geschrieben, ich glaube die ist sehr wichtig für all´ die ganzen Tiere hier in der Gegend.

Lassen wir sie mal selbst berichten:

Die Sonne war das Schlimmste
Haben Sie schon einmal bei 40 Grad ausharren müssen, und das ohne Schatten?
Es war schrecklich, und vor lauter Hitze habe ich versucht, ein Loch in den Sand zu buddeln. Der war aber zu hart und ich gab verzweifelt auf.

Aber vielleicht fange ich mal von vorne an

Meine Mama hatte mich und noch 5 andere Geschwister. Als wir grösser waren, viel gespielt hatten und wirklich viel Quatsch gemacht hatten, kam eines Tages jemand, der mich einfach auf den Arm nahm und in einem Auto mitnahm.
Ich muss Ihnen nicht sagen, welche Angst ich hatte. Ich winselte und heulte, aber der Mann interessierte sich nicht dafür. Ich war ihm vom ersten Moment an egal. Oder warum guckte er nicht mal zu mir oder redete mit mir?
Dann hielt er an, nahm mich raus und band mir eine Kette um. Das einzige, was ich jemals von ihm gehört habe war: „Da bleibst du jetzt“.
Nachdem ich mich ein wenig erholt hatte und nicht mehr ganz so bibberte, schaute ich mich um. Es war ein Haus nebenan, aber es wohnten keine Leute drin, wie in dem Haus, wo meine Mama und ich vorher waren.
Es gab eine rostige Tonne, in die ich schlüpfte, damit ich erstmal in Ruhe überlegen konnte.
Da es kalt war und es regnete, war es besser als nichts. Aber ehrlich gesagt muss ich zugeben, dass ich mir die nächsten Tage die Seele aus dem Leib geheult hab, so sehr hab ich Mama und meine Geschwister vermisst.
Niemand kam und streichelte mich, niemand sagte ein tröstendes Wort, niemand schien mich zu vermissen.
Alle zwei Tage kam der Mann, ohne ein Wort zu sagen und schmiss mir stinkende Essensreste hin. Die wollte ich eigentlich nicht, sondern Mamas Milch, aber ich hatte solchen Hunger.....
Manchmal ging der Mann in das Haus und machte großen Krach. Später habe ich verstanden, dass er da was bauen wollte. Meine Hoffnung wuchs, dass da bald jemand wohnen könnte und dann...
Aber es kam anders. Noch viel Schlimmer. Die Tonne rollte irgendwann den Hang herunter. Der Mann hat das gar nicht bemerkt. Es war entsetzlich. Ich hatte nirgendwo einen Unterschlupf, da mich die Kette hinderte, nach einem zu suchen.
Nach vielen Wochen Regen und Kälte wurde es dann warm und damit irgendwie besser. Dachte ich zuerst. Aber als die Sonne immer stärker wurde, wünschte ich mir den Regen zurück.
In vielen Momenten habe ich mir einfach gewünscht, tot zu sein und nichts mehr zu spüren, so schlimm war es. Niemand wollte mich, alles war anstrengend und ich verstand nicht, was ich da eigentlich sollte.
(Anmerkung: die Hunde neben Bauruinen bzw. nicht fertig gestellten Häusern sollen angeblich Einbrecher abschrecken..)

So ging es Monat für Monat. Ich weiß nicht mehr wie lange und dann hörte ich auf einmal eine Stimme. Sie rief mich von der oberhalb gelegenen Straße. Ich spitze meine Ohren, denn da rief mich das erste Mal jemand. Es war wunderschön und natürlich freute ich mich unheimlich.
Sie kam am nächsten Tag wieder und kam zu mir herunter gekrabbelt!!! Ich konnte es nicht glauben, aber hatte auch Angst und versuchte, in Deckung zu gehen. Aber wohin?
Sie redete und redete und schien nicht böse zu sein. Dann kam eine Hand in meine Richtung. Ohhhhh… was will die bloß? Ich vertraute einfach niemanden mehr und hätte fast zugebissen, wenn ich nicht etwas Leckeres in ihren Händen gesehen hätte.
Schwupps, war es weg und ….sie hatte mehr davon.

So ging es die nächsten Tage und langsam freute ich mich immer tierisch, sie zu sehen.
An einem Tag brachte sie dann einen Unterschlupf, in den ich eins, zwei, drei schlüpfte und mir schwor, diesen nie wieder herzugeben.
Die Frau sagte mir immer wieder, dass sie mich hier wegholen möchte, aber nicht weiß, wohin mit mir. Sie hat selber an die 20 Hunde... Darunter konnte ich mir nichts vorstellen, aber ich glaube, dass sie mir helfen wollte. Schließlich hatte sie immer Leckerchen dabei. Manchmal brachte sie auch Tabletten, die fürchterlich schmeckten und die ich im hohen Bogen wieder ausspuckte. Aber da war sie böse und tat sie mir tief in den Hals. Da musste ich einfach schlucken. Also wirklich! Dann kam auch noch so ein Spray auf mein Fell und auch dies stank bestialisch. Das waren Tage, wo ich drei Kreuze machte, wenn sie wieder weg war.
Es waren Jahre, die sie mich so betreute und irgendwann kam sie mit einem breiten Grinsen auf mich zu und sagte: „Weißt du was passiert ist? Ich habe tatsächlich jemanden gefunden, der dich nehmen will! Dein Besitzer will dich nur noch loswerden, mit dem habe ich gesprochen… Ich habe bei der Frau schon mehrmals nachgefragt, aber immer hieß es, dass sie selber vieler solcher Hunde wie dich haben und kein Platz hätten. Jetzt gerade wäre aber etwas möglich und morgen kommt sie dich schon anschauen!!!!“
Aha. Da kam dann wirklich eine Frau, aber nur kurz und guckte mich mitleidig an, sprach mit der Frau und schwupps war sie wieder weg. Da sollte wohl erst noch ein anderer Hund von MEINER Frau mitgenommen werden. Das wäre dringender.
Ich verstand nur Bahnhof, aber zumindest war mal ein bisschen was los.
Nach ein paar Tagen kam meine Frau und nahm mich mit in ihr Auto!!! Das erste Mal. Obwohl ich an Autos keine so gute Erinnerung hatte.... Sie wissen schon.
In irgendeinem Ort hielt die Frau an, wir waren schon ganz schön weit gefahren und da passierte es: Ich stand mit den Pfoten auf so einem Knopf und das Fenster ging herunter.
Diese Chance ergriff ich sofort, da es draußen duftete und ich rennen wollte. In null komma nichts war ich weg.
Was dann passierte, erzählte mir die Frau später. Sie hat mich stundenlang gesucht und musste immer wieder weinen, da sie nicht glauben konnte, was da passiert war. Nun war sie so nah am Ziel mit mir und dann sowas... Die Frau kam wohl auch dazu, zu der ich hingefahren werden sollte und suchte mit. Nach ein paar Stunden gaben sie auf und fuhren weg. Sie mussten Futter abholen oder so...
Aber ein netter Mann, der den Zettel gelesen hatte, wen er anrufen musste, wenn er mich sieht, rief dann auch meine Frau an und die kam freudestrahlend im wahrsten Sinne des Wortes mit ihrem Auto angerast.
Und schwupps ging es weiter und bei der verspäteten Ankunft wurde mir ein Mann vorgestellt, der mich ab jetzt „betreuen“ sollte. Ich bekam ein eigenes kleines Häuschen und einen Platz zum Rennen und um mich herum waren noch viele andere Hunde. Das war aufregend, auch wenn ich nicht zu ihnen kam, da überall Draht dazwischen war.
Aber egal, es gab Futter satt, der Mann redete mit mir, streichelte mich, ich musste nicht mehr frieren und schwitzen und ab und zu ging der Mann mit mir spazieren.... Ich war im siebten Himmel.

Die Frau, die mich an meinem alten Platz schon ausgeguckt hatte, kam auch öfters und gab mir wieder diese ollen Tabletten, fuhr mit mir zum Tierarzt, wo ich ziemlich lange schlafen musste (er wurde kastriert), wo man mir mit einer Nadel in das Bein stach und und und..

All das ist ein Witz zu vorher. Einmal hatte ich  Angst, denn da musste ich in so einer komischen Box in eine Flugmaschine und bin wieder woanders gelandet. Aber Kerstin, so heißt die neue Frau, hat das Gassi gehen mit mir besonders gut drauf. Dort darf ich auch viel mehr rumrennen mit anderen Hunden und ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie glücklich ich bin. Alle reden mit mir, streicheln mich, freuen sich mit mir,... ICH WERDE GELIEBT. Nur einen Haken gibt es wohl immer und überall: Ich kann da auch nicht für immer bleiben, sagt meine neue Frau. Denn andere wollten auch hierher.
Das möchte ich jetzt nicht verstehen und ich geh lieber wieder spielen. Das soll mal jemand anderes verstehen und was machen. Ich möchte nur noch meine Ruhe und alles hier genießen.
Einen Kuss an alle, die mir geholfen haben, hierherzukommen!

Euer HIPPIE

Anmerkung:
Unser HIPPIE  heißt in Deutschland jetzt RITCHY und steht stellvertretend für Hunderte von Stall-und Wegehunden in Griechenland, die unter erbarmungswürdigen Bedingungen dahinvegetieren müssen.
Er durfte ins Tierheim Helenenhof/Hürth bei Köln und ist noch nicht vermittelt. Hippie ist 6 Jahre alt, schwarzer Labrador-Mischling, SH ca. 50 cm, komplett geimpft, gechipt, kastriert. Er ist Leishmaniose positiv, braucht täglich Medikamente (die aber sehr billig sind) und alle 6 Monate einen Bluttest, um die Medikamente aktuell einzustellen.
Kerstin Sonnenfeld berichtet uns, dass er gerne aktiv ist und es liebt, mit den anderen Hunden rumzutollen. Er ist verspielt, stubenrein. Er hat eigentlich vor gar nichts Angst, andere Rüden ignoriert er aber lieber. Kerstin arbeitet mit ihm, um ihm vieles Grundsätzliches beizubringen (Leinentraining etc.) Wer kann diesem Hund sein so sehr verdientes Plätzchen bieten, wo er für immer bleiben kann??? Er ist ein Herzensbrecher und wird einem alle Mühe mit unglaublich viel Liebe zurückzahlen. Da bin ich ganz sicher. HIPPIE, wir wünschen Dir von ganzem Herzen dein so verdientes Traumplätzchen, wo Du in Ruhe und Frieden einfach Hund sein darfst und dass Du die Zeit in Griechenland irgendwann vergessen kannst...

Tierliebe Grüße, Brigitte Scheichel

Ich wünsche mir für Hippie, dass er auch ein richtiges Zuhause findet. Genauso wie ich. So richtig leben kann wie eine  Katze, Entschuldigung, ein HUND. Einen schönen Platz zum Schlafen hat, regelmäßig Futter und Wasser bekommt, mit anderen Hunden spielen darf und manchmal mit seiner Familie einfach nur kuscheln kann.

Ich jedenfalls genieße mein neues Leben und das wünsch ich dem Hippie auch!!!

Euer Kazou
P.S.: Morgen erzählt Moritz von seiner Vermittlung, seid mal gespannt.