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Georgie ist wohl der bekannteste Kettenhund in unserer Umgebung. Er hat es in seinem Leben wahrlich nicht leicht gehabt, denn er lebt an einem für einen Hund denkbar ungünstigen Ort: An einer kleinen Brücke auf dem Weg zum bekannten Preveli-Strand, einer im Sommer stark befahrenen Schotterpiste. Während der Saison kommen unendlich viele Touristen in ihren Mietwagen, aber auch einige Schäfer und Bauern direkt an seinem Platz vorbei, hüllen den armen Georgie in weiße Staubwolken und lassen ihn kaum zur Ruhe kommen.
Vor ca. vier Jahren wurde Brigitte auf ihn aufmerksam, denn er hing an einer viel zu kurzen Kette, ohne jeglichen Schatten, ohne Dach über dem Kopf und wie so oft ohne ausreichend Wasser und Futter.
Als Schutz vor der sengenden Sonne und als kleine Rückzugsmöglichkeit bekam er als erstes eine ausrangierte, aber stabile Hundehütte und ausreichend große Wasser- und Futterbehälter. Brigitte, die zu dieser Zeit die Stall- und Wegehunde allein betreute, besuchte Georgie hin und wieder und brachte frisches Wasser und Futter. Später übernahmen Susanne und ich dann die Versorgung.
Ziemlich schnell merkte ich, dass die eigentlich geplanten zweimaligen Besuche in der Woche nicht ausreichten. Wann immer jemand von uns kam, waren Wasser- und Futterbehälter gähnend leer und alte hingeworfene Brot- und Essensreste zeugten von mitleidigen Touristen und Wanderern, die wohl ihre Wegzehrung mit dem armen Georgie geteilt hatten. Immer wieder ertappte ich mich dabei, dass ich mich fragte, wie es dem armen Kerl wohl ging, und immer häufiger besuchte ich ihn auch außer der Reihe.
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Anfangs war Georgie ein recht mißtrauischer Zeitgenosse, der sich nicht anfassen ließ. Zwar freute er sich über jeden Besuch, jede Zuwendung und Aufmerksamkeit, behielt aber jede meiner Bewegung genau im Auge. Er hatte den Ruf ein Angstbeißer zu sein, d.h. in für ihn bedrohlich scheinenden Situationen sein Gegenüber anzuknurren und durchaus auch einmal zuzuschnappen. Brigitte erzählte mir, dass er während einer medizinischen Behandlung versuchte nach ihrer Hand zu schnappen.
So begegnete ich Georgie anfänglich mit einigem Respekt und einer gehörigen Portion Unsicherheit. Doch mit jedem Besuch wurden wir beide ein bißchen sicherer und lernten den anderen einzuschätzen. So freundeten wir uns langsam an. Georgie entpuppte sich als ein zwar völlig vernachlässigter und ganz sicher mißhandelter, aber durchaus liebenswerter, lebendiger und freundlicher Hund.
Schon bald kannte er mein Auto und sprang an seiner zwei Meter kurzen Kette vor Freude bellend aufgeregt im Kreis herum, wenn ich kam. Jedesmal brachte ich ihm kleine Leckerchen mit, die er nach einiger Zeit sogar aus meiner Hand fraß. Immer häufiger ließ er auch kleinere Berührungen zu, so dass ich ihm schließlich sogar vorsichtig über den Rücken streichen konnte. Er genoss diese Streicheleinheiten sichtlich, drückte sein Hinterteil an meine Beine und tappte stetig von einem Hinterbein auf das andere. Trotzdem war ich auf der Hut, denn ganz schnell konnte es ihm auch zuviel werden. Dann drehte er sich blitzschnell, um nach meiner Hand zu schnappen. Dennoch bin ich inzwischen sicher, dass Georgie nicht wirklich zubeißen wollte, sondern einfach nur Warnsignale aussendete. Sein gesamtes Verhalten zeigte, dass er mit Menschen bisher keine guten Erfahrungen gemacht hatte. |
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Sein sensibelster Körperbereich waren und sind bis heute die Ohren und der Halsbereich. Seit wir Georgie kennen, hat er Probleme mit den Ohren. Jedes Jahr im frühen Herbst, wenn die Fliegenplage besonders heftig ist, setzen sich die Plagegeister auf seine sowieso schon völlig zerfurchten und vernarbten Ohrspitzen, legen ihre Eier ab, und die ausgeschlüpften Maden fressen sich in die Haut hinein bis nur noch das blutige Fleisch zu sehen ist. Es müssen schlimme Schmerzen für ihn gewesen sein. Normalerweise müssen solche Wunden regelmäßig sorgfältig gereinigt und medizinisch versorgt werden. Doch Georgie ließ niemanden an sich heran, der ihm hätte helfen können. Sobald sich jemand von uns mit Medikamenten in den Händen näherte, wurde er sofort misstrauisch, legte die Ohren an und knurrte. So waren uns die Hände gebunden, und wir mussten zusehen wie Georgie Jahr für Jahr die gleichen Qualen durchlitt.
Ein ebenso schwieriges Unterfangen war die drei- monatliche Parasitenbehandlung. Wurmtabletten verabreichten wir ihm mit dem Dosenfutter, ohne dass er dies überhaupt bemerkte. Das Flohmittel auf seinen Nacken aufzutragen, war jedoch schier unmöglich und oft genug konnte ich die Flüssigkeit nur aus erheblichem Sicherheitsabstand auf seinen Rücken spritzen, um dafür dann wildes Knurren und Drohgebärden zu ernten.
Georgies Besitzer schien sich derweil, um den gesundheitlichen Zustand seines Hundes wenig zu interessieren. Anfänglich zeugten Knochenreste hin und wieder von seinen sporadischen Stippvisiten. Doch auch sie wurden im Laufe der Zeit immer seltener. Offensichtlich war er der Meinung, dass er sich gar nicht mehr um seinen Hund kümmern müßte, da die verrückten Tierschützer dies ja bereits taten. Natürlich hatten wir versucht,wie immer, wenn wir auf ein Tier aufmerksam werden, Georgies Besitzer ausfindig zu machen und Kontakt aufzunehmen. Doch wann immer wir Anlieger, Bauern und Schäfer nach ihm fragten, stießen wir auf Ausweichen, angebliches Unwissen und ablehnende Haltung. Niemand wollte diesen Menschen kennen, und so blieb er lange Zeit ein Phantom für uns. Bis zu einem Tag im letzten Winter. |
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Wie jeden zweiten Tag fuhr ich nach Preveli, begrüßte meinen Pflegehund ausgiebig und war gerade dabei seine Futterration vorzubereiten, als plötzlich ein mir völlig unbekannter Mann in einem Pick-up anhielt. Er grüßte kurz und fragte dann ohne große Umschweife, warum ich denn seinen Hund, der ganz in der Nähe an einem Stall angebunden sei, nicht füttern würde. Soviel Dreistigkeit verschlug mit wieder einmal die Sprache. Ich antwortete, dass ich nichts von einem solchen Hund wüßte und fragte im Gegenzug, warum er denn der Meinung wäre, dass wir alle Privattiere des Kreises Finikas umsonst durchfüttern würden, und ob er wohl eine Vorstellung davon hätte was das für Unkosten wären. ´´Na ja,´´ antwortete er, ´´der hier (er zeigte auf Georgie ) sei doch auch sein Hund und den würden wir ja schließlich auch füttern.´´ Schwupps- da war es heraus. Nach drei Jahren vergeblicher Suche stand Georgies Besitzer plötzlich vor mir und outete sich quasi selbst. Ich war so überrascht, dass ich völlig vergaß ihn nach seinem Namen und nach seiner Telefonnummer zu fragen. Tatsächlich ließ er mir auch gar keine Zeit dazu, gab mir aber dafür noch kurz den guten Rat, Georgie nur noch die Hälfte der normalen Futterration zu geben, damit ich so Futter für seinen zweiten Hund einsparen könne. Mit diesen Worten trat er auf das Gaspedal und ließ mich sprachlos stehen.
Dieser kleine Dialog machte mir wieder einmal die Mentalität einiger Kreter deutlich und zeigte mir recht klar, welches Bild sie von uns ausländischen Tierschützern haben. Erfreulicherweise blieben mir weitere Begegnungen mit diesem freundlichen Herren erst einmal erspart.
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Der Sommer verging, es wurde langsam Herbst, und ich machte mir zunehmend Sorgen um Georgies Ohren, die bereits wieder anfingen sich zu entzünden. In diesem Jahr war es besonders schlimm. Innerhalb weniger Tage waren seine Ohren eine einzige offene Wunde. Da er sich weiterhin nicht behandeln ließ, konnte ich nur hoffen, dass vielleicht sein Besitzer etwas unternehmen würde. Und tatsächlich, als ich das nächste Mal nach Preveli fuhr, sah ich an Georgies Hütte drei Männer stehen. Einer von Ihnen war der Besitzer des Hundes. Doch was ich sah, verhieß nichts Gutes. Die drei Männer hatten sich auf der anderen Seite des Zauns, an den die Hundehütte grenzte, postiert und zogen langsam die Kette, an der Georgie befestigt war durch den Zaun. So zwangen sie den armen Hund immer näher zu sich heran bis er ganz und gar an den Zaun gepreßt wurde. Selten habe ich soviel Verzweiflung und Panik in einem Hundeblick gesehen. Während ich laut schimpfend aus dem Auto sprang, hantierte Georgies Besitzer mit einer Plastikflasche herum und schien die darin enthaltene Flüssigkeit über Georgies Ohren gießen zu wollen. Doch in diesem Moment gelang es Georgie irgendwie seinen Kopf durch das Halsband zu ziehen und plötzlich lief er frei herum. Das alles ging so schnell, dass ich kaum begriff, was eigentlich vor sich ging. Im ersten Moment befürchtet ich, dass Georgie sofort das Weite suchen würde. Doch weit gefehlt. Überrascht, dass er sich plötzlich frei bewegen konnte, drehte er zwei, drei kleine Runden auf dem Platz herum und kam dann schwanzwedelnd auf mich zugerannt. Nun war guter Rat teuer. Wie sollten wir diesen Hund wieder einfangen? Georgies Besitzer redete aufgeregt auf mich ein. Ich sollte seinen Hund betäuben, damit er ihn wieder an die Kette legen könne. Kaum zu glauben, was der Mann für Vorstellungen hatte. Ich erwiderte, dass ich keine Tierärztin sei und ganz sicher kein Betäubungsmittel parat hätte. Doch in diesem Moment erinnerte ich, dass ich einige Calmivet- Beruhigungstabletten in meiner Tasche hatte, die ich für Notfälle schon lange mit mir herumschleppte. Ich telefonierte kurz mit Marita, um mich nach der richtigen Dosierung zu erkundigen. Als sie hörte was passiert war, bot sie an sofort vorbeizukommen. Anschließend mischte ich die Tabletten mit etwas mitgebrachtem Dosenfutter. Georgie, der die ganze Zeit aufgeregt um mich herumsprang, verschlang den Happen sofort. Dann wandte ich mich an den Besitzer. Er sagte, dass er den Hund mit einem Mittel gegen Parasiten behandeln wollte. Das hätte er schon häufig getan, wenn Georgie diese Probleme mit den Ohren hatte. Doch der Hund wäre gefährlich und hätte schon oft versucht ihn zu beißen. Ich dachte bei mir, dass man das dem Tier nun wirklich nicht verübeln konnte und verstand augenblicklich seine Angst vor Berührungen. Bei dieser Art von Umgang, wie ich ihn gerade erlebt hatte, konnte ein Hund gar nicht anders als vor lauter Angst zu beißen.
Schließlich bot der Mann mir sogar an, dass ich Georgie für 500 Euro kaufen könnte. Als ich dieses großzügige Angebot dankend ablehnte, lachte er, ging auf 300 Euro herunter und wollte mir am Ende seinen Hund sogar schenken. Normalerweise hätte ich nicht lange gezögert Georgie mitzunehmen, doch da er bisher als schwierig und nicht vermittelbar galt, konnten wir ihn als Verein nicht aufnehmen. Also lehnte ich auch dieses Angebot schweren Herzens ab.
Georgie, der während dieser Unterhaltung weiterhin um uns herum gelaufen war, und im Entferntesten nicht daran dachte, sich aus dem Staub zu machen, schien sich langsam zu beruhigen. Die Wirkung der Tabletten setzte offensichtlich ein. So versuchten wir schließlich ihm das Halsband wieder anzulegen. Nach einigen Anläufen setzte sich der Hund plötzlich ruhig hin und ließ sich überraschenderweise wieder anketten. Erleichtert atmete ich auf. |
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Der Besitzer versprach am nächsten Tag mit seinem Hund zum Tierarzt zu fahren. Da ich nicht recht daran glaubte, dass er sein Versprechen wirklich einlösen würde, versuchte ich mit der inzwischen eingetroffenen Marita noch einmal Georgies Ohren zu behandeln. Doch obwohl er durch die Wirkung der Tabletten bereits einen recht glasigen Blick hatte, ließ er sich den mitgebrachten Maulkorb nicht anlegen. Also brachen wir das Unternehmen zunächst ab und hofften inständig, dass der Hund am nächsten Tag zum Tierarzt gebracht werden würde.
Doch wie ich bereits befürchtet hatte, geschah nichts. Georgie bot inzwischen einen fast gruseligen Anblick. Da er sich fortwährend an den Ohren kratzte, lief ihm bereits das Blut am Hals herunter. Es war klar, dass wir etwas unternehmen mußten. |
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Am nächsten Morgen fuhr Marita kurzentschlossen ausgerüstet mit weiteren Beruhigungstabletten, Maulkorb und Hundebox nach Preveli. Sie hatte sich vorgenommen Georgie selbst zum Tierarzt zu bringen. Gern hätte ich sie begleitet. Doch da ich arbeiten mußte, konnte ich sie nur telefonisch unterstützen. Marita schaffte es tatsächlich mit Hilfe der Tabletten und ein bißchen Futter Georgie in die Hundebox zu locken, allerdings ohne ihm den Maulkorb anlegen und ohne die Kette an seinem Hals entfernen zu können. So machte sie sich auf den Weg zum Tierarzt. Glücklicherweise traf sie in der nahegelegenen Taverne zufällig auf Georgies Besitzer und informierte ihn. Er behauptete, die Ohren seines Hundes bereits selbst behandelt zu haben, hatte aber gegen den Arztbesuch nichts einzuwenden. Außerdem bekräftigte er noch einmal, dass wir den Hund doch einfach behalten könnten.
In Rethymno beim Tierarzt angekommen, war es natürlich zunächst sehr schwierig Georgie zu narkotisieren. Der genervte Tierarzt schaffte es schließlich, dem Hund in der Box eine Spritze zu setzen. Dann machte er sich daran, Georgies Ohren zu verarzten. Leider war das Fleisch bereits so sehr in Mitleidenschaft gezogen , dass ihm nichts anderes übrig blieb, als einen Großteil der Ohrlappen zu entfernen. Georgie bekam außerdem eine Flohbehandlung und Marita nutzte die Gelegenheit, ihm die vielen verfilzten Klumpen aus dem Fell zu schneiden. Die Kette beließ sie zunächst an seinem Hals, da wir befürchteten, dass Georgie sich später nicht ohne Weiteres anleinen lassen würde. |
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Da klar war, dass der Hund in diesem Zustand nicht zu seiner Hütte zurückgebracht werden konnte, beschloß Marita ihn erst einmal mit nach Hause zu nehmen. So bezog er eine Box im Hühnerstall. Geplant war, dass er bei Marita und Jürgen bleiben sollte, bis seine Ohren verheilt waren. Danach sollte er zu seiner Hütte zurückgebracht werden, da uns weiterhin bewußt war, dass wir einen solchen Hund nicht nach Deutschland vermitteln konnten. Nach zweitägigem Aufenthalt im Hühnerstall durfte Georgie in eines der Welpengehege umziehen. Sehr schnell lebte er sich ein und gewöhnte sich auch an den Plastikkragen, den er als Schutz für seine frisch operierten Ohren um den Hals trug. Mehrmals am Tag durfte er auf dem kleinen eingezäunten Gelände des Hühnerstalls frei herumlaufen, was er offensichtlich sehr genoß. Trotz Plastikkragens und der rasselnden Eisenkette, die er stetig hinter sich herzog, versuchte er neugierig jede noch so kleine Ecke und jeden Busch zu erkunden. Er freute sich riesig über jeden unserer Besuche und heulte bitterlich wie ein einsamer Wolf, wenn man ihn wieder allein ließ. Er ließ sich über den Rücken streicheln und akzeptierte auch vorsichtige Berührungen im Gesicht und an der Nase. Sobald man sich allerdings in Richtung seines Halses vorwagte, fing er an zu knurren. |
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Bei einem meiner Besuche hatte Jürgen die Idee an Georgies Kette eine ca. fünf Meter lange Schleppleine zu befestigen und ihn auf dem benachbarten Feld frei laufen zu lassen. Ich hatte Bedenken und fürchtete, dass Georgie weglaufen würde. Doch schnell sah ich, dass er einfach nur hocherfreut die Gegend erkundete, bald hier hin und dorthin lief und sich nicht allzu sehr entfernte, Natürlich interessierte er sich sehr für die anderen weiter oben am Haus lebenden Hunde, die er vom Welpengehege aus zwar hatte hören aber nicht sehen können. Nun stand er erst ein bißchen ängstlich, aber doch freudig wedelnd vor dem Tor. Obwohl die anderen Hunde furchtbar bellten, um den vermeintlichen Eindringling zu verscheuchen, zeigte Georgie keinerlei Aggressionen, sondern hätte sich wohl liebend gern zu ihnen gesellt.
Am nächsten Morgen wagte Marita einen kleinen Spaziergang mit ihm und berichtete, dass er auch auf vorbeigehende Spaziergänger nicht weiter geachtet oder gar aggressiv reagiert hätte. Wieder einmal zeigte sich, dass Georgie kein wirklich böser oder aggressiver Hund war. Sein einziges, wenn auch schwerwiegendes Problem war seine Angst vor Körperkontakt und jeglicher Art von medizinischer Behandlung.
So entwickelte sich in meinem Kopf langsam eine Idee. Die Vorstellung, ihn wieder an seinen alten Platz in Preveli zurückzubringen, verursachte mir zunehmend Magenschmerzen, und ich hatte die kleine Hoffnung, dass Georgie mit viel Zeit, Geduld und Training seine Ängste vielleicht überwinden könnte. So schlug ich vor, ihn einer uns bekannten Hundetrainerin vorzustellen, die außerdem eine Hundepension führte und so in der Lage war kurzzeitig Hunde aufzunehmen. Wir waren uns einig, dass Georgie diese Chance auf jeden Fall verdient hatte. Brigitte nahm Kontakt zu Silvia auf, die versprach in den nächsten Tagen vorbeizukommen, um sich den Hund anzusehen. Als die beiden sich kennenlernten, und wir Silvia von Georgies Problematik berichteten, war ihr spontanes Urteil: das ist nur eine Frage der Zeit. Sie bot sofort ihre Hilfe an und beschloß Georgie gleich mitzunehmen, der auch wider Erwarten ohne Zögern in ihr Auto sprang.
Zwei Tage später dann ein erster Anruf. Silvia berichtete, dass Georgie gute Fortschritte machte. Sie hatte ihm bereits die Kette mit Hilfe eines Seitenschneiders entfernt und den Plastikragen abgenommen. Außerdem würde Georgie mit ihr spielen wollen und hatte auch nichts dagegen, sich über Nase und Rücken streicheln zu lassen. Nur Hals und Ohren waren natürlich weiterhin Tabu, aber das wäre verständlich und bräuchte noch etwas Zeit. Wir verabredeten die Beiden in den nächsten Tagen zu besuchen. |
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Als Jürgen und ich bei Silvia eintrafen, hatte sie sich gerade zu einem Spaziergang mit Georgie aufgemacht. Wir stiegen aus dem Auto und begrüßten die Zwei. Georgie erkannte uns sofort und freute sich riesig uns zu sehen. |
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Ich war gerührt und froh zu sehen, wie gut es ihm ging. Die Ohren waren fast verheilt und offensichtlich hatte Silvia es sogar geschafft eine Leine an seinem Halsband zu befestigen, um mit ihm spazieren gehen zu können. Wir beschlossen die beiden auf ihrer Runde zu begleiten. Georgie schien darüber sehr erfreut. Schwanzwedelnd rannte er um uns herum und bemühte sich sein kleines Rudel auch ja zusammenzuhalten. |
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Silvia erzählte uns unterdessen von ihren Eindrücken und Erlebnissen mit Georgie. Auf einem ihrer Ausflüge seien sie auf einen Esel am Wegesrand gestoßen. Unser großer und ´´ach so gefährlicher´´ Kerl versteckte sich augenblicklich hinter Silvia und wollte partout nicht weitergehen. Nur mit viel Geduld und gutem Zureden, ließ er sich schließlich überzeugen seinen Weg fortzusetzen. Auch schnell vorbeifahrende Autos auf der Straße würden ihn hin und wieder noch erschrecken. Insgesamt war Silvia jedoch nach wie vor der Meinung, dass er einfach noch ein wenig Zeit und Übung benötigte. Sie war zuversichtlich, dass wir Georgie vielleicht schon bis zum Ende des Monats nach Deutschland schicken könnten. |
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Glücklich über diese guten Neuigkeiten gelangten wir zu unserem Auto zurück. Da es bereits dämmerte und Zeit für Georgies Abendessen wurde, mußten wir uns langsam verabschieden. Vorsichtig streichelte ich Georgie noch einmal über den Rücken. Er drängte sich eng an mich, und tapste wie immer von einem Bein auf das andere. Als er schließlich genug hatte, drehte er sich einfach zu mir um, ohne jegliches Anzeichen nach meiner Hand schnappen zu wollen. Noch einmal fuhr ich ihm vorsichtig über die Nase und selbst als ich ihn behutsam zwischen den Ohren berührte, schien es ihn nicht weiter zu stören. Schweren Herzens trennte ich mich an diesem Abend von meinem Pflegehund, und auch er schien sich nicht verabschieden zu wollen. Er zog an seiner Leine in Richtung unseres Autos und ließ sich nur widerwillig von Silvia zum Haus führen. Am Gartentor blieb er noch einmal stehen und sah uns nach als wir in den Wagen stiegen. Silvia lachte und sagte: ´´Ja, er hat Dich wirklich gern``. |
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Eine Woche ist seit dem vergangen. Silvia hatte uns gesagt, dass sie als nächsten Schritt einen Besuch in Rethymno planen würde. Wir sind alle sehr gespannt wie Georgie auf Stadtleben, Verkehr und viele Menschen reagieren wird. Außerdem steht noch ein Besuch beim Tierarzt auf dem Programm, da er natürlich noch geimpft und gechipt werden muß. Brigitte ist inzwischen schon bemüht einen Pflegeplatz in Deutschland für ihn zu finden. Keine leichte Aufgabe bei einem nicht unproblematischen Hund wie Georgie. Er wird noch sehr viel lernen müssen und braucht Menschen mit Hundeerfahrung, die bereit sind, ihm die Zeit, Liebe und Geduld zu schenken, die er benötigt.
Wir können nur erahnen, was dieser Hund in seinem bisherigen Leben erfahren und erleiden mußte. Ganz sicher war nicht viel Gutes und Schönes dabei.
Es wäre schrecklich, wenn wir Georgie zu seinem bisherigen Platz in Preveli zurückbringen müßten, und so alle bisherigen Fortschritte zunichte gemacht würden.
Und deshalb wünsche ich ihm und hoffe ganz fest, dass alles gutgehen wird und Georgie eine Chance bekommt auf ein neues und schöneres Hundeleben. Ein Leben, in dem er die Liebe und Fürsorge erfahren darf, die ihm bisher verwehrt blieb. |
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| Update vom 18.11.2009 |
Hurra, Georgie darf kommen
Wir waren mitten in einer Kastrationsaktion zu der auch Silvia, die Hundetrainerin und Georgie gekommen waren. Auch er sollte an diesem Tag kastriert werden.
Georgie lebte nun seit ca. 5 Wochen bei Silvia, und sie berichtete, dass er sich prima entwickelt hatte. Sie konnte ihn inzwischen am ganzen Körper berühren und streicheln. Er ließ sich problemlos anleinen, liebte seine täglichen Spaziergänge und auch bei den Ausflügen nach Rethymnon gab es keine Probleme. Passanten, Autoverkehr und Stadtleben ließen ihn kalt. Was er noch immer nicht leiden kann, sind überraschende und plötzliche Berührungen. Vor allem wenn er die Hand, die ihn berührt, vorher nicht sehen kann. Dann dreht er sich abrupt um und knurrt. Doch wie wir schon berichtet haben, hat Georgie noch niemals irgend jemanden verletzt oder wirklich gebissen. Dies alles sind Drohgebärden aus Angst vor einem vermeintlichen Peiniger. Nicht verwunderlich bei seiner Geschichte. Auch Silvia vermutet, dass Georgie in seiner Vergangenheit geschlagen und misshandelt wurde. Doch trotz all seiner negativen Erfahrungen ist er ein liebenswerter, fröhlicher und verspielter Hund. Er sucht den Kontakt, freut sich über jede Aufmerksamkeit und Streicheleinheit, wenn er erst einmal Vertrauen zu seinem Gegenüber gefasst hat.
Überraschend hatte sich am Vortag für Georgie eine Mitfahrgelegenheit nach Deutschland per Auto ergeben.
Wir hatten bereits eine Zusage eines Pflegeplatzes in Landsberg, allerdings für einen viel späteren Zeitpunkt. Eigentlich sollte er noch bis ca. Januar bei Silvia bleiben und erst dann ausreisen. Doch da Georgie bereits so gute Fortschritte gemacht hatte und sich nun diese neue Möglichkeit abzeichnete, nahm Brigitte sofort per email Kontakt zum Pflegeplatz auf und fragte, ob er wohl schon früher kommen dürfte. Da es schon in zwei Tagen losgehen sollte, drängte die Zeit, und wir alle warteten gespannt auf eine Antwort.
Ich war gerade damit beschäftigt verschieden Hunde- und Katzenboxen auszuwaschen, als Brigitte plötzlich über den Hof lief. Sie sprang wie ein wild gewordener Handfeger auf und ab, warf die Arme in die Luft und lachte und lachte.... `` Hurra , Georgie darf kommen ´´.
Die Pflegestelle hatte sich per Telefon gemeldet und zugesagt. Wir alle freuten uns riesig für Georgie.
Nun ging alles recht schnell. Am nächsten Morgen wurde das Auto gepackt und die für Georgie vorgesehene Transportbox verstaut. Georgie beäugte seine Box zunächst ein bißchen mißtrauisch, sprang aber bereitwillig hinein, als Marita ihm als kleines Lockmittel einen Kauknochen in die Box warf.
Dann fiel die Autotür ins Schloß und eh ich mich versah, begann Georgies große Fahrt.
Wehmut überfiel mich als der Wagen vom Hof rollte. Nach mehr als zwei Jahren Betreung war mir Georgie natürlich sehr ans Herz gewachsen. Es ist immer wieder schwer sich von einem liebgewonnen Schützling zu trennen. Doch das Wissen um eine bessere Zukunft für die Tiere macht uns den Abschied ein bißchen leichter.
Wir alle drücken fest die Daumen, dass Georgie sich schnell in seine neue Umgebung eingewöhnen, Vertrauen zu seinen neuen Bezugspersonen aufbauen wird, und wir dann hoffentlich bald die Nachricht erhalten, dass unser großer Brummbär in eine geeigntet Familie vermittelt werden konnte. |