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Guten Tag Zusammen,

 

ich bin der Gatouli. Das ist Griechisch und heißt soviel wie Katerchen.
Also ich finde diesen Namen ziemlich unpassend.
Ich bin eher ein stattlicher Bursche in den besten Jahren.
Meine Chefin sagt, ich könnte mich mal ein bißchen nützlich machen und eine Geschichte schreiben. Für den Adventskalender auf der Internetseite. Weiß der Kuckuck was das nun wieder ist.
Schließlich könnte ich auch mal was tun, damit ein paar Spenden für meine Kumpels auf der Strasse in die Kasse kommen.
Also diese Strassenviecher sind mir ziemlich wurscht. Hauptsache mein Bauch ist rund und immer gut gefüllt. Nur, wenn die Chefin sauer wird, gibt’s gleich das Hühnchen nicht, dass da grad so lecker vor sich hinbrodelt.
Tja, hilft wohl nichts.
Am besten erzähl ich Euch MEINE Geschichte. Damit kenn ich mich am besten aus.

Um gleich mal die Dinge klarzustellen: meine Chefin ist natürlich nicht wirklich meine Chefin. Das ist mal sicher. Ich nenn sie nur so, um sie bei Laune zu halten. Schließlich ist es wesentlich bequemer morgens und abends einen gut gefüllten Futternapf vorzufinden, als Stund um Stund durch die Felder zu rennen und sich seine Beute selber suchen zu müssen.
Klar, jagen macht auch Spaß. Besonders diese kleinen grau-getigerten Mistbratzen, die jede Nacht in Chefins Bett schlafen dürfen.
Ich darf da nur selten rein. Der Chef findet, dass ich dreckig bin, weil ich den ganzen Tag draußen bin und nur nachts ins Haus komme. Ich bin eben ein ehemaliger Strassenkater und treibe mich am liebsten draußen rum.
Manchmal, wenn der Chef nicht da ist,  und die Chefin schläft, schleiche ich mich trotzdem rein ins Bett. Wenn er dann nach Hause kommt, muß ich schnell zusehen, dass ich auf mein Sofa komme. Sonst gibt’s richtig Motze!

 
 

An den Anfang meiner Geschichte kann ich mich gar nicht mehr erinnern.
Meine Chefin sagt, meine Mutter wär sehr schlau gewesen. Sie hätte mich und meinen Bruder oder meine Schwester ( so genau weiß das keiner )einfach hier im Garten abgeparkt. Wir waren noch recht jung. Vielleicht vier, fünf Monate alt.
Hier am Haus gab`s immer Futter in kleinen Schälchen. Meine Mutter wußte das, denn manchmal kam sie auch zum Fressen, aber immer allein. Tja, irgendwann hat sie uns dann angeschleppt. Sie selbst ist gleich wieder gegangen und nie wieder gekommen. Vielleicht war sie krank oder ihr ist etwas zugestoßen.
Meine Chefin hat versucht uns zu ignorieren. Hier gabs ja schon vier Katzen, die ihr die Haare vom Kopf fraßen, wie sie sagt. Mein Geschwisterchen ist gleich weitergezogen, aber ich bin geblieben.
Ich bin halt schlau und hab ziemlich schnell entdeckt, dass es hier immer was zu futtern gibt.
Die ersten Monate hab ich mich nicht näher an das Haus gewagt. Nur schnell fressen und gleich wieder ab aufs Feld. Meiner Chefin war das nur recht. Ihre Nachbarn maulten sowieso schon rum, dass es hier zu viele Katzen gab.
Mit der Zeit hab ich mich dann schon mal getraut länger zu bleiben und bei fiesem Wetter hab ich mich einfach im Keller versteckt, der immer offen war.
So ging das eine ziemlich lange Zeit.
Irgendwann muß ich meiner Chefin dann wohl Leid getan haben. Sie hat immer öfter mit mir gesprochen. Ich hab mich näher rangetraut und auf einmal hat sie mich sogar angefasst. Hmmm, das war gar nicht schlecht.
Irgendwie sind wir dann Freunde geworden, sagt sie.
Trotzdem mußte ich immer draußen schlafen.
Die vier Mädels, drei  Grau-Getigerte und so´ne kleine dicke Bunte, konnten mich nicht leiden und haben immer ein Riesengeschrei veranstaltet, wenn ich sie draußen getroffen  und auf die Bäume gejagt habe.
Deshalb hat die Chefin mich nie ins Haus gelassen.
Natürlich hab ich auch mein Revier verteidigen müssen. Ständig kamen da irgendwelche Kater vorbei, die glaubten sich an meinem Futter vergreifen zu können, und die MEINE Mädels auf die Bäume jagen wollten. Na soweit kommt es noch…

 

Eine von den Mistbratzen

 
Ich hab so manche Schlacht geschlagen. Einmal hat mich so ein Riesenkater so fies hinter`m Ohr gebissen, dass sich da `ne Riesenbeule entwickelt hat. Groß wie ein Hühnerei. Das tat ziemlich weh. Meine Chefin hat das erst gar nicht gemerkt, weil ich ja ständig unterwegs war. Irgendwann ist die Beule aufgegangen und mein weißes Fell hat sich ganz schnell rot gefärbt. Meine Chefin hat mich gesehen und hat fast einen Herzinfarkt gekriegt. Sie hat mich dann mit so komischem, rotem Zeug eingerieben und mir tagelang Pillen ins Futter gesteckt. Das fand ich ziemlich unmöglich, aber ich hab schon gemerkt, dass das der Moment war, wo sie mich dann richtig in ihr Herz geschlossen hat.
Doch ins Haus hat sie mich noch immer nicht gelassen.
Manchmal, wenn sie nicht gut aufpaßte und die Haustür zu weit offen stand, bin ich trotzdem rein.
Ich hab richtig Anlauf genommen, geradeaus durch den Flur, durch die Schlafzimmertür  und in gerader Fluglinie direkt rein ins Bett. Klasse war das.
Leider war das Vergnügen nie von langer Dauer. Sofort packte sie mich und setzte mich wieder vor die Tür.
Der Chef konnte mich am Anfang gar nicht leiden. Er hat immerzu geschimpft mit der Chefin, weil sie angeblich alle Katzen der Nachbarschaft heranfütterte und die Nachbarn sich aufregen würden. Sie hat sich aber trotzdem nicht abhalten lassen.
Mir wär ehrlich gesagt auch lieber gewesen, ich hätte das Futter ganz für mich allein gehabt.
Naja, der Chef hat sich dann irgendwann an mich gewöhnt.
Eigentlich ging´s mir ziemlich gut. Im Sommer hab ich mich viel rumgetrieben, manchmal ordentlich geprügelt, oder mir einfach nur die Sonne auf den Pelz brennen lassen.
Nur im Winter war es schwierig. Wenn es kalt wurde und stürmisch. Und wenn es geregnet hat. Die Chefin hat mir dann so eine Kiste vor die Tür gestellt mit einer Decke drin. Das war schon besser. Natürlich hätte ich viel lieber im Haus geschlafen, aber da war nichts zu wollen. Keine Chance.
 
 

Naja, und dann kam dieser Tag, an dem die Chefin die Kiste nahm und  ein paar echte Leckerchen hineinlegte. Natürlich hab ich mich nicht lange bitten lassen und bin sofort hinein in die Kiste. Plötzlich hat sie einfach die Tür zugemacht. Ich war gefangen. Ich konnte gar nicht glauben wie mir geschah. Dann hat sie mich zu einem Ort gebracht, an dem noch viele andere Katzen waren und viele fremde Menschen und sogar so richtig große Hunde.
Ich hab mich fürchterlich aufgeregt und laut beschwert. Das hat mir aber nichts genützt.
Irgendwann kam einer von den Menschen, so ein großer Blonder. Der hat was von ungeborenen Nachfahren gebrabbelt und mir in den Po gepickst. Also wirklich !!!  Mir ist ein bißchen schwummerig geworden und dann wurde es dunkel. Ich muß wohl aus Versehen eingeschlafen sein. Als ich wieder wach wurde, saß ich noch immer in der Kiste. Es war dunkel, aber ich konnte hören und riechen, dass da noch andere Katzen in Kisten waren.
Mein Hinterteil fühlte sich ein bißchen komisch an. So als wenn da irgendwas anders wäre. An meinem Ohr klebte so ein merkwürdig silbernes Zeug und komischerweise fehlte ein ganz kleines Stück aus meiner Ohrspitze.
Ich bin wohl nochmal eingeschlafen, denn als ich die Augen wieder öffnete, war es heller Tag. Meine Chefin stand vor meiner Kiste. Sofort hab ich dieWut gekriegt. Was sollte das? Nun laß mich endlich raus hier.
Sie hat nur die Kiste hochgehoben, hat gesagt, ich solle mal nicht so ein Theater machen und ist mit mir nach Haus gefahren. Als sie endlich diese blöde Tür geöffnet hat, bin ich sofort rausgestürmt auf`s Feld. Ich hab den ganzen Tag geschlafen und mir fest vorgenommen, nicht mehr mit ihr zu sprechen. Sollte sie doch zusehen, wer ihr jetzt die ganzen fremden Kater verjagte.
Dumm war nur, dass gegen Abend mein Magen anfing zu knurren. Die Chefin stand im Garten und hat nach mir gerufen. Okay, ein bißchen was knabbern, schadet ja nicht.
Sie hatte wohl ein schlechtes Gewissen und war ziemlich lieb zu mir. Hat mich ganz doll durchgeknuddelt und in die Arme genommen.  Hühnchen gab es auch. Ich hab ihr dann verziehen, ich bin ja nicht so.
Wie gesagt, für einen Straßenkater ging´s mir ziemlich gut. Das sagt zumindest die Chefin. Andere Straßentiere müßten selber jeden Tag zusehen, wo sie was zu beißen hernehmen. Die würde keiner streicheln. Manchen würde sogar richtig fiese Sachen angetan.
Da ist zum Beispiel dieser schwarz- weiße Kater, der hier aufgetaucht ist. Die Chefin sagt, der wurde angeschossen und hatte ewig lang so eine Gewehrkugel hinter dem Ohr sitzen. Seine weiße Nase war außerdem ganz schwarz, weil er sich immer aus irgendwelchen Mülltonnen ernährt hat.
Der kriegt hier inzwischen auch immer was zu essen.
Mich nervt der bloß. Immer, wenn er mir in die Quere kommt, dann setzt ich mich in voller Größe direkt vor seine Nase und jaul ihm die Ohren voll. Meine Chefin kommt dann gleich aus dem Haus geschossen und motzt, aber manchmal schaffe ich es trotzdem noch dem Typen `ne Backpfeife zu verbraten. Trotzdem geht er nicht weg und hat sich so richtig eingenistet. Er weiß aber schon, wer  eigentlich den Ton angibt.
Wir leben hier jetzt schon ziemlich lange zusammen. Ich bin ein bißchen älter geworden und auch etwas ruhiger. Von den vier Mädels ist eine gestorben. Das war eine von den Grau- Getigerten. Die war schon ganz schön alt, und die Chefin sagt, sie hatte Krebs. Als sie über die Regenbogenbrücke gegangen ist, war sogar der Chef richtig traurig. Die Grau- Getigerte  war mir egal, aber ich hab sofort meine Chance gewittert. Schließlich war da im Haus auf einmal ein Plätzchen frei geworden.

Und dann kam der Tag der Tage.
Der Chef und die Chefin waren für einige Zeit nicht da. Eine Woche Urlaub! Sie hatten zwar dafür gesorgt, dass immer jemand was zu essen brachte, aber irgendetwas ist passiert und ich bin ziemlich krank geworden. Ich hab fürchterlich gehustetund geröchelt, konnte nicht mehr atmen und fressen ging schon gar nicht mehr. An dem Abend als die Chefin und der Chef zurückkamen, hab ich mich mit Mühe und Not vor die Haustür schleppen können. Die haben gleich gesehen, dass es mir richtig schlecht ging und haben einen ordentlichen Schrecken bekommen. Die Chefin hat mich hochgehoben und ins Haus gebracht. Ich durfte auf dem Sofa schlafen, in dicke, warme Decken eingekuschelt.
Lange Zeit hab ich mich so richtig krank gefühlt, hab nichts gegessen und bin auch ganz schön dünn geworden. Die Chefin sagt, ich war wohl schon ganz schön nah an der Regenbogenbrücke.
Sie hat mir wieder so komische Pillen gegeben. Direkt ins Maul gestopft. Das war echt widerlich, aber nach einer ganzen Weile ging`s mir etwas besser. Ich hab auch wieder Appetit gekriegt, und von da an gab es immer Hühnchen. Diese Pillen mußte ich lange essen. Sie hat sie immer in dem Hühnchen versteckt und hat geglaubt, ich merk das nicht. So´n Quatsch. Bei Hühnchen kann ich einfach nicht widerstehen.  
Dann war da noch dieses andere Problem. Ich durfte zwar auf dem Sofa schlafen und hatte es echt richtig gemütlich, aber manchmal mußte ich ja auch auf´s Klo. Die Chefin sagte, ich dürfte nicht raus. Ich wär ja krank. Also echt, erst lassen die mich nicht rein in die Bude, und als ich es geschafft habe, dann lassen sich mich nicht mehr raus.
Die Chefin meinte, nun gäbe es Toilettentraining. Sie hat so eine Schale mit so komischem Krümelzeug angeschleppt und hat mich reingesetzt. Ich hab überhaupt nicht verstanden, was das sollte und bin auch gleich wieder raus da. Sie hat mich wieder reingehoben, und ich bin wieder raus.
Das haben wir ne Weile so gemacht. Rein , raus, rein, raus. Sie ist ganz schön sauer geworden und hat gemeint, ich soll mich nicht so anstellen. Das wäre zum Pipimachen.
Nee, also wirklich. Ich mach doch nicht in so´ne Kiste rein. Und das auch noch vor den Augen der drei Mädels. Bei aller Liebe, das ist nun echt zuviel des Guten.
Bis heute hab ich mich standhaft geweigert.
Inzwischen bin ich schon lange wieder gesund, aber auf dem Sofa schlafen darf ich trotzdem noch.  Tagsüber treibe ich mich draußen rum, aber sobald es dunkel wird, steh ich vor der Tür und jammere laut. Meine Stimme ist seit der Krankheit ein bißchen merkwürdig. Wenn ich schnurre, sagt meine Chefin immer, ich hör mich an wie eine alte Nähmaschine. Manchmal hab ich auch Probleme mit der Atmung, vor allem bei Südwind und wenn es feucht draußen ist. Aber sonst geht’s mir eigentlich echt gut.
Das Toilettenthema ist nun auch geklärt. Wenn ich Pipi machen muß, stell ich mich einfach vor die Haustür und quake ordentlich. Meine Chefin muß dann aufstehen und die Tür aufmachen. Egal wie spät es ist. Ich muß vorzugsweise morgens um fünf auf´s Klo. Die Chefin nervt das echt, aber was soll ich machen.
Überhaupt tu ich so ziemlich was ich will.
Manchmal, wenn es regnet, kann ich mich nicht so recht entscheiden, ob ich nun raus will und lieber auf das Sofa.  Dann geh ich zur Tür und quake. Nach zehn Minuten, will ich aber lieber doch auf´s Sofa und stell mich wieder vor die Tür.
Ich sag ja, die Chefin heißt zwar Chefin, aber wer hier eigentlich der Boss ist, ist wohl sonnenklar.

 

 

Die drei Mädels sind auch immer noch da. Die können mich nicht leiden, aber das ist mir egal.
Hauptsache ich kann auf dem Sofa schlafen und mein Bauch ist rund und voll.

Warum ich Euch das alles erzähle?
Naja, die Chefin meint, ich sollte ruhig allen sagen, wie es den Strassenkatzen hier ergeht. Und ich hätte  nun wirklich richtig Glück gehabt.
Sie fährt täglich rum in Plakias und füttert meine Kumpels da draußen auf der Straße. Die hätten es nicht so gut wie ich. Sie sagt auch, dass das Futter ganz schön teuer ist, und sie manchmal gar nicht weiß, wo die ganze Kohle herkommen soll. So um die 500 von meiner Sorte werden durchgefüttert.
Jedenfalls hofft sie, wenn andere erfahren wieviel Not am Mann ist, dass sie vielleicht ein bißchen helfen wollen und vielleicht sogar was spenden würden.
Ich weiß nicht. Mir ist das ziemlich schnuppe. Ich tu ihr halt den Gefallen, denn schließlich müßte das Hühnchen da im Topf jetzt bald mal gar sein.

So Ihr Lieben, damit die Chefin nicht denkt, ich würd mir keine Mühe geben.
Ihr habt mich schon richtig verstanden. „Ran an die Sparbüchsen, raus mit dem Scheckbuch!!“

Hey, jetzt boxt sie mich. Ich könnte ruhig ein bisschen diplomatischer sein.

Nee, also echt! Laß mich doch in Ruhe und hol endlich dieses Hühnchen aus dem Topf!!!

Ihr da Draußen, macht´s mal gut. Ich wünsch Euch, dass Ihr es auch immer warm und kuschelig habt und immer lecker Futter in der Schale.
Bald ist ja auch Weihnachten, sagt die Chefin.

Also dann, schöne Feiertage und alles Liebe

 

 

Euer Gatouli

 

Fotos & Text: Maren