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Meine Güte haben wir ein Glück mit dem Wetter! Auch wenn die Nächte immer kälter werden, tagsüber ist es schön warm. Nach dem ersten Regen wird alles wieder grün. Da kann ich im hohem Gras prima Verstecken spielen und üben, wie ich, wenn ich mal groß bin, Mäuse fangen kann.
Heute hat uns Sally verlassen, die große Schäferhündin, die mir immer so eine Angst gemacht hat. Sie lebt jetzt bei Sylvia, der Hundetrainerin und wird, so hoffen wir, ihre Angst verlieren und irgendwann ein richtiges Schäferhündinnenleben führen können.

Dafür hat Jo nun eine sehr ängstliche Zoi. Ihr geben wir nun ersteinmal ein wenig Zeit, sich einzuleben. Zwischen den Bäumen an der langen Leine. Heute Abend bekommt sie erst einmal ein wenig zu fressen und Morgen früh werde ich sie besuchen.

Nun aber zu unserer heutigen Geschichte, geschrieben von Andrea:

Die Findelkatzerl

Es war Donnerstag Nachmittag am 27.10., ich wollte meinen Abfall zu den Aschentonnen bringen und noch ein bisschen nach Souda, um im Gegenlicht der Sonne meine Gläschen und Fläschchen zu fotografieren.
Ich hab mich schon gewundert, wie weit ich auf der Soudastrasse fahren musste, normalerweise steht beim Skinos eine Tonne. Nun gut, dann eben weiter zum Hafen auf der linken Seite, die nächste Tonne.

Runter vom Roller, Helmfach auf, Abfalltüte entnommen, da hörte ich es schon und noch bevor ich irgendwas dachte oder ahnte, war mir sofort klar, Andi, Dein persönlicher Albtraum wird jetzt wahr.
Ein ganz leises Fiepen und Miauen, kleine, winzigkleine Katzerl in einer Papiertüte vom Bäcker. Was für ein Schock, was für eine Wut, was für eine Traurigkeit überfiel mich! Ich zitterte am ganzen Körper und wer mich kennt, weiß, so schnell kann mich nix erschüttern. Ich nahm sie sofort auf in meine Fleecejacke, um sie zu wärmen. Es waren zwei, die Augen noch fest verschlossen, und sie waren so klein und zart und haben aus Leibeskräften geschrien.  Ich musste auf der Stelle weinen.

Was tun jetzt, mir schossen die Gedanken wie wild im Kopf herum, ganz klar bleiben, Andi. Brigitte anrufen? Kathie aus Asomatos? Marianne? Mein Gott, die halten doch jetzt fast alle Mittagsruhe.
Eva, ja, Eva aus Sellia. Ich wusste von ihr, dass sie dieses Jahr schon einige junge Kätzchen durchgebracht hatte, mit aufopfernder Pflege. Sie war die perfekte Entscheidung. Also zum Telefon gegriffen und angerufen, so verzweifelt hatte mich Eva wahrscheinlich noch nie gehört.

Ja bring sie rauf, dann schauen wir was wir machen. Gottseidank.
Die Kätzchen in die Jacke gepackt, rein ins Helmfach in der Hoffnung, dass sie nicht ersticken und in einem Höllentempo rauf nach Sellia.
Während der Fahrt wurde ich immer wütender, wer macht so was? Warum? Die Katzerl wären elend erfroren oder gefressen worden. Was denkt so ein Mensch, warum legt er sie in dem Papiertütchen neben die Tonnen, warum?
Zu feige sie umzubringen! Hätte er sie bei der Mutter gelassen und sie nach vier Wochen zum Tierschutz gebracht, das Problem wäre nie aufgetaucht. Ich war rasend vor Wut und Enttäuschung und deshalb in drei Minuten in Sellia.

Eva hat sich die Katzerl genau angesehen und stellte fest, dass sie noch die Nabelschnur dran hatten und nicht älter als drei Tage sein konnten. Eigentlich chancenlos. Eva, die erfahrene Eva, nahm mir die Angst und die Wut, indem sie pragmatisch reagierte, das hieß, Wärmflasche erhitzen, Nestchen bauen in der kleinen Box. Die beiden waren Weibchen und Männchen und haben erst mal schön geschissen. Mit einer winzigkleinen Pipette fütterte sie die Kleinen erst Mal mit einer erwärmten Spezialmilch, die aber die reine Muttermilch nicht ersetzen kann.

Was jetzt auf Eva zukam,  davor kann ich nur aufrichtig den Hut ziehen.

Alle zwei Stunden müssen die kleinen Würmchen gefüttert werden, Tag und Nacht, es muss das Nestchen gesäubert werden, neue Tücher rein, wenn die Katzerl gebieselt und gekackt hatten. Nach dem Füttern müssen die Bäuchlein gestreichelt werden, damit sie gut verdauen. Die Hände und das Fläschchen müssen sterilisiert werden. Die Wärmflasche alle fünf Stunden neu erhitzen, die Kätzchen gesäubert werden von ihren Auswürfen mit Hakle feucht. Sie hassen es.
Für den Montag bat mich Eva, auf die Kleinen etliche Stunden aufzupassen.
Ich war so aufgeregt, kann ich das, mit meinen riesigen Rollerpranken? Mach ich alles richtig, infiziere ich sie nicht mir meinen Bakterien? Kann ich genug füttern, fallen sie mir nicht runter, zerdrücke ich sie nicht? Ja, ich war ein Schisser.
Aber es ging gut und ich erlebte sieben wunderbare Stunden, welche Lebenskraft, welches Wunderbare und wieviel Energie steckt in diesen kleinen Lebewesen. Nie werde ich diese Momente vergessen, es hat mich stark berührt und verzaubert.
Da ging es ihnen noch gut und sie nahmen jeden Tag etwas zu, doch mit der Zeit bekamen beide Durchfall, Brigitte und Eva versuchten es mit Infusionen, ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man das macht mit so winzigen Katzen.
Schließlich gab das Männchen auf, es hat es nicht geschafft, seine Energie in Leben umzusetzen.

Nach fast zwei Wochen hat auch das Weibchen das Leben aufgeben müssen, eine kleine Infektion reicht bei so kleinen Wesen schon aus. Obwohl Eva das Katzerl nun Tag und Nacht an ihrem Körper mit sich rumtrug, meistens im Schal um den Hals, nachts in der zugebundenen Fleecejacke. Aber es wurde immer schwächer und auf dem Weg zum Tierarzt ist es gestorben.

Es ist so traurig, aber ich weiß ganz sicher, die beiden Katzerl haben in diesen 2 Wochen ihres kurzen Lebens vielleicht mehr menschliche Liebe erhalten, als so manche andere Katze in Kreta.
Als ich Eva wiedersah, fühlte ich mit ihr, sie tat mir so leid, gefühlte fünf Kilos weniger und ganz betrübte Augen.
Eva, bitte tröste Dich, Du hast schon so vielen kleinen Kätzchen mit Deiner Art, Deinem Wissen und Deiner Liebe geholfen. Danke hierfür.

Vielleicht gibt es irgendwann eine Lösung , dass Leute keine kleinen Katzen mehr aussetzen, umbringen müssen. Ich würde es mir so wünschen. Hoffentlich klappt die Idee von Brigitte, an allen Aschentonnen Hinweise anzubringen, die mit der Notrufnummer vom Tierschutz in Plakias, damit sie rechtzeitig eingreifen können.

Andrea „Anderl“ Pfau