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Ernie im Glück
30.11.2009 |
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Plötzlich war er da. So, als wäre er geradewegs von Kretas sonnigem Herbsthimmel gefallen. Ein bisschen heruntergekommen und vielleicht ein klein wenig zu dünn streifte er durch Plakias Nachbardorf Asomatos. Susanne, die als erste auf ihn aufmerksam wurde, behielt ihn zunächst zwei Tage im Auge, fütterte ihn und verständigte schließlich Marita. Ein neuer Streuner? Ausgesetzt? Ausgerissen? In einer Gegend wie der unseren, in der die meisten Hunde angekettet oder an abgelegenen Ställen angebunden ein ausgesprochen langweiliges Leben fristen, kommt es hin und wieder vor, dass ein Tier sich selbst befreien kann und beschließt einen kleinen Ausflug zu unternehmen. |
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Anfänglich hielt Susanne Ernie wohl aufgrund der Kopf- und Körperformen für einen Kampf-hundmischling, und Marita machte sich bereits größte Sorgen, wie wir diesen Hund vermitteln sollten. Nach Deutschland hätten wir ihn nicht schicken können, sondern hätten hier vor Ort ein neues Zuhause finden müssen. Eine sehr schwierige Aufgabe. Als Marita unser neues Sorgenkind mit der faltigen Schnauze dann das erste Mal sah, kamen ihr erste Zweifel und ihr fiel auf, dass er durchaus auch Ähnlichkeit mit einem Boxer hatte. Nach einiger Recherche im Internet stieß sie dann auf weiße Boxer, und ihr wurde klar, dass wir es hier wohl mit einem solchen Exemplar zu tun hatten. Obwohl Ernie nun schon einige Tage sein neues , behelfsmäßiges Gehege bewohnte, und täglich viele Einheimische daran vorbeifuhren, meldete sich niemand. Keiner schien ihn oder seinen Besitzer zu kennen. Als der nächste Platz in einer Pflegestelle in Mariou frei wurde, durfte er umziehen. Ernie war ein lieber kleiner Fratz. Immer gut gelaunt, freundlich, verschmust und völlig unkompliziert. |
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Da auch der Tierarzt der Meinung war, dass Ernie eher als Boxer und nicht als Kampfhund einzuordnen war, stand einer Ausreise nun eigentlich nichts mehr im Wege. Wir begannen ihn tierärzlich vorzubereiten. Entwurmung, Impfung, Mikrochip, Kastration, das ganze Programm. Brigitte machte sich wie immer auf die Suche nach einer Pflegestelle in Deutschland. Eines Abends, ich war gerade zufällig bei Marita und Jürgen zu Besuch, klingelte plötzlich das Tierschutztelefon. Es war bereits halb zwölf und uns war klar, dass ein Anruf um diese Zeit nichts Gutes zu bedeuten hatte. Eine männliche griechische Stimme meldete sich. Er wäre aus Chora Sfakion, einem Dorf ca. 40 Kilometer von Plakias entfernt, sei gerade zu Besuch in Plakias und hätte zufällig in einer Taverne das Flugblatt von seinem entlaufenen `` Bulldog`` gesehen. Er hätte auch die Papiere des Hundes dabei und könne so beweisen, dass er der Halter wäre. Marita und ich sahen uns irritiert an. Chora Sfakion? Wie ist der Hund dann hierher gekommen? Der Mann war zufällig in Plakias, hatte zufällig das Foto gesehen und auch ganz zufällig die Papiere seines entlaufenen Hundes dabei? Für unseren Geschmack waren das sehr viele Zufälle für einen Abend. |
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Ich vesuchte Zeit zu schinden und fragte ihn, ob er eigentlich wüßte, wie spät es sei. Der Hund wäre in einer Pflegestelle in einem anderen Dorf untergebracht, und wir könnten um diese Zeit dort nicht mehr anrufen. Och, für ihn wäre das eigentlich kein Problem, und da er an diesem Abend noch zurückfahren müßte, würde er seinen Hund eigentlich gern sofort mitnehmen. Noch einmal sagte ich ihm, dass dies leider nicht möglich sei, und er sich bitte am nächsten Morgen wieder melden möge. Dann würden wir uns gern mit ihm treffen und die Geschichte überprüfen. Er erklärte mir, dass er nicht wüßte, ob er am nächsten Tag noch einmal nach Plakias kommen könne, aber ich blieb hart. Da ihm ja offensichtlich viel an seinem Hund gelegen war ( schließlich wollte er ihn ja unbedingt noch an diesem Abend zurückhaben ), sollte es ja auch kein Problem für ihn sein am nächsten Tag noch einmal anzurufen, um eine Verabredung zu treffen. Marita und mir wurde sehr mulmig. Konnte dies wirklich Ernies Besitzer sein? In welche Hände würden wir ihn nun zurückgeben müssen? Und wie war der Kleine von Chora Sfakion nach Asomatos gekommen? Eine reichlich merkwürdige Geschichte. Wir hatten beide kein gutes Gefühl. Doch sollte sich herausstellen, dass Ernie tatsächlich zu diesem Mann gehörte, würden wir ihn zurückgeben müssen. |
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Am nächsten Morgen fuhr Marita zunächst zu der besagten Taverne und sprach mit dem Tavernenbesitzer. Er hatte tatsächlich die Vorgänge vom Vorabend mitverfolgt und kannte den Mann flüchtig. Er wollte sich eigentlich nicht zu der Sache äußern, doch unterschwellig ließ er durchscheinen, dass auch er Zweifel an dem Wahrheitsgehalt dieser Geschichte hatte. Nun blieb uns nichts weiter, als abzuwarten. Bei jedem Telefonklingeln befürchtet Marita, gleich die Stimme des ominösen Anrufers zu hören. Doch es geschah nichts. Nicht am nächsten und auch nicht am übernächsten Tag. Besonders groß schien die Liebe zu seinem angeblichen ausgerissenen Hund nicht zu sein, denn bis heute haben wir nie wieder etwas von diesem Mann gehört. Erleichtert hielten wir also weiter an unserm Plan fest, Ernie nach Deutschland zu schicken. Nach einiger Zeit erhielt Brigitte dann eine Zusage aus Gelsenkirchen, dass Ernie kommen dürfte. Auch ein Flugpate ließ nicht lange auf sich warten, und so konnte Ernie zusammen mit Senta und Bernie (über deren ähnlich aufregende Schicksale wir ja bereits berichteten und für die auch ein Plätzchen in Gelsenkirchen reserviert war) nach Deutschland reisen. |
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Eine Freundin, die gerade in Plakias Urlaub machte, all die Aufregungen um Ernie, Bernie und Senta mitverfolgt hatte, und in der Nähe von Gelsenkirchen wohnte, hatte uns versprochen nach ihrer Rückreise unsere 3 Schützlinge in ihrer neuen Pflegestelle zu besuchen. Schon eine Woche später meldete sie sich bei uns. Allen Dreien ginge es prima. Und für Ernie würde es bereits einen Interessenten geben. Das waren wunderbare Neuigkeiten. So schnell hatte niemand von uns mit einer Vermittlung gerechnet. Wir drückten fest die Daumen, dass Ernies das Glück haben würde, bald in eine neue Familie einziehen zu dürfen. |
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Pebbels & Ernie |
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Lange Zeit hörten wir nichts mehr von unserem kleinen weißen Faltengesicht. Doch dann plötzlich ein Eintrag im Gästebuch unserer Internetseite: ein kleiner weißer Boxer hatte sich tatsächlich in die Herzen einer neuen Familie geschlichen. Ingo, Nicole, Tobias und Mike schrieben uns eine email und schickten uns Fotos. Sie berichteten, dass sie sehr froh und zufrieden seien mit ihrem neuen Familienmitglied. Auch die 7 Jahre alte Hündin Pebbels würde sich über ihren neuen Freund freuen. So setzte ich mich daran Ernies Geschichte zu schreiben. Die Geschichte eines weißen Boxers, von dem wir zwar nicht wissen wo er herkam und was er bereits erlebt hat, aber dennoch ganz sicher sind, dass er von nun an ein glückliches Leben führen wird. Und so bleibt er in unserer Erinnerung ein kleiner weißer, nein - kein Hans, sondern ein |
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Ernie im Glück |
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