Seit August gehen viele Überlegungen und Vorbereitungen in Richtung Deutschland, denn ich weiß, dass ich die Insel für 2-3 Monate verlassen muss. Nicht REIF FÜR DIE INSEL, sondern reif für mir vertrauere Gefilde. Keine Sprachprobleme, mir vertraute Kultur und Denkweisen, Familie und Freunde sehen wann immer ich möchte. Einfach mal raus, neue Ideen sammeln, Abstand zum Alltag und Inspirationen, die man im Alltagstrott nicht bekommt. Wie war das Ziel, wo stehe ich und wie soll es weitergehen…
Aber eins nach dem Anderen.
Anfang November ist das Ziel und eine Woche vor Abfahrt sieht man mich nur noch gebeutelt durch die Gegend springen, weniger fahrend, denn: Kühlwasser aus meinem tapferen Tiermobil läuft aus, er springt nicht an, die ersten beiden Gänge lassen sich nicht mehr schalten, der Auspuff muss geschweißt werden...
Mein Mann fragt nur noch genervt, WO ich gerade wieder stehe und befördert mich 5mal in die berühmt berüchtigten Werkstätten Kretas .In einer Woche wohlgemerkt. Auch SIE verdrehen mittlerweile die Augen und mein Liebling wird nur noch DIE KISTE genannt. Wenn ich Ihnen erzählen sollte, was DIE KISTE die letzten 5 Jahre hier an Futter, Tiere, Flohmarktkrams, Hütten und Zubehör weggeschafft hat, müsste sich jeder schämen, sie so zu nennen. Aber bin ich ehrlich und nicht sentimental und eins ist nun mal sicher: Es wird seine letzte Reise, so er sie denn schafft.
Die Nerven werden nicht besser, denn immer noch habe ich keine Pflegestellen für unsere letzten 3 Hunde. Alle anderen konnten rausgeflogen werden, aber gegen Ende Oktober haben das derart viele Tierschützer getan, dass auch die letzten Schlupflöcher die weiße Fahne hissen. Oder die Hunde sind zu groß, zu schwarz, zu auffällig, nicht kastriert ist auch schlecht....
Nach 3 Wochen rumtelefonieren und vergeblichen Versuchen stellt sich Panik ein, denn sie MÜSSEN mit: Sie würden sonst bis zum Anfang der nächsten Flugsaison, also April 2009, festsitzen und Marita ist im Moment allein.
Thomas Busch von der Arche Noah beruhigt mich, ich soll alle mitnehmen, irgendwas geht immer... Also ich bin nicht der Typ, der sie einlädt und noch nicht weiß wohin mit Ihnen, aber die Not lässt einen zwangsläufig wachsen...
Das Arche Ford Auto wird von meiner Freundin Barbara im Konvoi mit rüber genommen, denn er muss über den TÜV. Ein Leichtes, denn bei dem geht nur die Scheibenwischanlage nicht. Lappalie. Gut zu wissen, dass die Hunde notfalls umgeladen werden können, falls ich doch stehen bleiben sollte… Deshalb nur 4 diesmal und nicht bis unter die Decke gestapelt wie sonst.
Hier ein Dankeschön an den Förderverein Arche Noah Kreta für die Leihgabe des Fords für die letzte Saison, er hat unserem Verein immer wieder sehr geholfen all die Tiere leicht und bequem zum Flughafen zu chauffieren und viele Versorgungstouren gemeistert.
Das Übergabetreffen ist gemacht, Listen mit Futterstellen, nächsten Kastrationstieren, Hundehüttenanwärter, Finanzen etc. sind vergeben, durchgesprochen und last but not least: Das Tierschutzhandy an Marita übergeben!
Ich kann dieses Gefühl kaum in Worte fassen, was sich danach einstellt. Wieder Mensch sein, eine große Last fällt ab, riesengroße Erleichterung, die Verantwortung nicht mehr zu tragen.
DANKE an ALLE, die jetzt einspringen, die weitermachen, damit auch im Winter jedem Tier in Not geholfen werden kann. Ohne das Vereinsnetz nicht denkbar.