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Das erste Mal

Es begann im Februar 2011, nein eigentlich schon viel früher, aber . . .

. . . besser, ich beginne am Ende.

Wie viele vielleicht noch wissen, gab es mal eine schier unerschöpfliche Futterbrücke von Deutschland nach Kreta. Organisiert und finanziert vom Förderverein Arche Noah Kreta, der Transport­­ gesponsert von einer befreundeten Spedition.

Hunderte Tonnen Futter, Boxen, Decken und dringend benötigtes Equipment fanden regelmäßig ihren Weg zu den Tierschützern hier auf der Insel.

Irgendwann versiegte diese Quelle. Sie war nicht mehr zu finanzieren, und erst nachher wurde vielen klar, wie wertvoll sie war.

Als ich im Februar dieses Jahres einige neu gekaufte Transportboxen bei Sigurd in Hamburg abholte, bat er mich auf einen Kaffee in die Küche und berichtete mir von seiner Idee.

Da der Speditionsweg nach Kreta viel zu teuer sei, würde er gerne die Futterbrücke per Seecontainer wieder ins Leben rufen. Thomas von der Arche wüsste Bescheid und wäre dabei. Vielleicht bekämen wir auch das Lager in Lübeck wieder.

Augenblicklich bekam ich feuchte Augen, ich erinnerte mich an Frieda, unseren treuen LKW Fahrer, an die Transporte, die ich begleitet hatte. An die viele Tierfreunde, denen jedes Gramm Futter eine so wertvolle Hilfe für die hungernden Tiere gewesen war.

In Gedanken machte ich die letzte Dose Sheba auf, die vom letzten Transport noch übrig geblieben war. Ich weiß es noch wie heute. Eine alte Hündin am Flughafen Nikos Kazantzakis in Heraklion hatte sie bekommen.

Sigurd erklärte mir, dass er die gesamte Organisation bis zum Hafen in Heraklion machen würde. Nur hätten er und auch Thomas niemanden, der den Rest auf Kreta machen könne.
Ich gab ihm mein Wort.

Einige Wochen später bekamen wir eine Mail von Sigurd:

Sigurd schließt den vollbeladenen Container.

„Also: der Container schwimmt und wird am 28.06.2011 in Heraklion eintreffen. Bezüglich des B/L (Bill of Lading = Konossement = Seefrachtbrief) haben wir express release beantragt, d.h. Ihr braucht ein Original nicht mehr vorzulegen, die Sendung ist bereits freigestellt und kann nach Zahlung der Platzspesen (Containerhandling etc.) abgeholt werden. Ich habe Dir gestern per Einschreiben/ Rückschein das Zollpapier T2L per Post geschickt, das muss der Trucker mitnehmen, wenn er den Container aus dem Hafen holt. Dieses T2L bescheinigt, dass es sich um EU-Ware handelt und nicht mehr verzollt werden muss. Der beim Spediteur leergeräumte Container muss dann vom Trucker wieder abgeholt werden und ins Depot verbracht werden, daher ist es wohl sinnvoll, gar nicht erst abzusatteln sondern den Container ratz-fatz zu strippen und ihn gleich wieder loszuschicken.“

Auf Wiedersehen auf Kreta ! ! !

Noch am gleichen Tag machte ich mich daran, die vielen Tierschützer auf der Insel über die Ankunft des ersten Überseefutterbrückentransportcontainers zu informieren.

Am 21. Juni erreichte uns die Nachricht, dass der Container schon 4 Tage vorher im Hafen von Heraklion sein würde.

Nun war Eile angesagt, denn ich musste vor der Freigabe des Containers noch zum Hafen, um ihn „freizustellen“. Ich wusste nix von dem, was dort auf mich zukam, außer, dass ich dieses „T2L“ brauchte. Aber leider war sie, trotz Eilbrief, knappe zwei Wochen unterwegs, und  war gerade noch rechtzeitig bei uns eingetroffen.

Freitag, 24. Juni. Meine Nachtruhe endete mit dem Sonnenaufgang um 5:00 Uhr, denn ich hatte an diesem Tag nicht „nur“ einen Hafenbesuch vor mir, sondern musste vorher noch drei kleine Kätzchen am Flughafen einchecken. Glücklicherweise waren die Flugpaten super nett und hilfsbereit. Die kleinen Katzen haben vor dem „Check-In“ nicht nur den Flugpaten und mir, sondern auch in den benachbarten Reihen für allgemeine Erheiterung gesorgt und die Wartezeit viel angenehmer gemacht.

Um 10:10 Uhr verließ ich das Flughafengelände und machte mich auf die Suche . . .

Den weiteren Verlauf des Tages entnehmen Sie bitte meiner Info-Mail an die anderen unserer Crew:

„Hallo Mädels! Hallo Thomas!
Die Mediterian Shipping Company hat 428 € für die Kai-Hafen-irgendwas-Entladung bekommen, plus 100 € Kaution für die Blechkiste (…beides ist laut der Dame vom Kapatinakopololous normal). Super nett und hilfsbereit das Fräulein! Sie meinte, ob ich das alles denn alleine und das erste Mal machen würde?
Klar!
…ja dann wäre ich, wenn´s klappt ihr Held. (Oder eine Held?) Egal.
Dafür habe ich ´ne Menge gut aussehender Papiere bekommen ( Jaaah Maren oder besser Kerstin, auch eine Quittung!!?!!) und ab zum Kapatinakopololous. Dieses Fräulein da hinter dem Tresen der Spedition war wiederum genauso nett und hilfsbereit und schickte mich, mit einer fragwürdigen Wegbeschreibung, auch gleich zurück in die City, zum Costumes Office.
Scheiße, jeder Grieche hatte eine andere Idee, wo das wohl sein könnte.
. . .und es war soooohhhh heiß!!!!
Ich weiß es nun und verkaufe den Tipp meistbietend!!!!
Auch diese Dame war wieder genauso nett und hilfsbereit wie die anderen und hat sogar wegen mir eine halbe Überstunde gemacht. Am Ende waren diese schicken Dokumente vollgestempelt, hunderte von Malen unterschrieben und kaum noch lesbar, aber ich hatte diesen billigen A5-Zettel in der Hand, der es nun dem Kapatinakopololous erlaubt, am Montag den Container aus dem Hafen zu ziehen. Natürlich liegt der wiederum schon beim Kapatinakopololous! Heute geht nichts mehr, weil alle Feierabend haben, dafür kostet die Standgebühr 30 € pro Tag. Ich habe ihr versprochen, das Geld am Dienstag vorbei zu bringen. Ehrensache!
Dann kann ich auch gleich bei der MSC-Dame die Kaution einlösen und mit ihr einen Kaffee trinken gehen…….
Ehrensache!
Kapatinakopololous will 250 € für den Transport und 2 € pro m² oder Palette am Tag.
Die Ecken rund um die Auf-/Abfahrt Finika / Kapatinakopololous kenne ich nun auch wie aus der Westentasche. Im Zwiespalt mit mir und meinem Navi habe ich eine geschlagene halbe Stunde gebraucht, um auf die Autobahn zu kommen. Brigitte, du erinnerst dich vielleicht…..
Meine Einkäufe haben sich erledigt, da ich erst um 16:47 Uhr in Remington war und auch hier der Sabbatokiriaki /o begonnen hat…..
Egal, mein Geld für MEINE Einkäufe ist ja eh weg. Die 70 € Spende der Flugpaten übrigens auch.
Alles in allem eine gelungene Aktion. Die Kosten wird sicher der F.V.  übernehmen. (Thooooooomaaaaaas!!!!!) ((ist im CC)) [[[ Hat Sigurd übernommen,, , , , , , ,]]]
Nun weiß ich wie es geht und am Ende hat mir die Dame vom Costumers Office noch ein paar Tipps gegeben, wie es das nächste Mal noch schneller ginge. HääH???
Ich gehe nun duschen, schlafen, trommeln, schlafen und morgen sehen wir weiter.
Liebe Grüße, Jürgen
P.S.: Ich würde es wieder machen!!!
P.P.S..: Sigurd weiß Bescheid.
. . . und ja Brigitte, den Katzen und den Flugpaten ging es (noch) gut, als ich sie das letzte Mal gesehen habe!!!!“

27. Juni, wir warten. . .

. . . und endlich . . .

es war soweit ! ! !

Die Türen des ersten Containers öffneten sich.

Augenblicklich musste ich schlucken.

Tatsächlich, 7,35 Tonnen Futter, unzählige Boxen, Decken, medizinisches Equipment hatten ihren Weg nach Kreta gefunden

Brigitte beim Sortieren und Verteilen.
Schweißgebadet aber gut gelaunt!

Um 15:45 Uhr war alles ausgeladen und portioniert.

. . . und mein Auto, höchst persönlich von Brigitte, vollgestopft bis unters Dach . . .

Am nächsten Tag kamen viele Tierschützer von ganz Kreta und holten ihren Teil für ihre Schützlinge ab. Es war gut, sie alle wieder zu sehen, jeder berichtete von seinen Sorgen und Nöten. Dringende Hilfe fehlt an jeder Ecke und die Flut und das Elend der Tiere will kein Ende nehmen.

Aber dieser Start gibt Hoffnung in unserer Zeit, wo gerade hier in Griechenland alles teurer wird und die Probleme nicht nur mehr, sondern auch immer größer werden.

Alle sind glücklich über diesen neuen Beginn der Futterbrücke

Danke an dich Sigurd,
danke an Thomas
und die Mitglieder des Fördervereins Arche Noah Kreta e.V.,
für Euren Einsatz, für Ihre Spenden und letztendlich für die Hilfe, die wir nun an unsere Schützlinge weiter geben können.

Und Danke an alle anderen, die mitgeholfen haben!!!!

Im Namen aller Tierschützer die dabei waren,

Jürgen

 

Fotos & Text: Jürgen