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Clooney

Marita & Clooney
 

Ein besorgter Anruf einer Bekannten. In ihrer Nachbarschaft hält ein Grieche seinen Hund in der nicht ausgebauten Garage auf blankem Beton und an einer 1 Meter langen Kette. Es sei zudem fast nie Wasser da und der Hund ist zu dünn. Ich vereinbare mit ihr, dass sie weiter im Gespräch mit ihm bleibt, weil es wirkungsvoller ist, über die Nachbarn etwas zum Positiven zu erreichen. Sie bekommt eine Laufleine von uns und soll ihm dies vorschlagen. Unser Verein würde erst als letzter Schritt eingeschaltet werden, wenn sie keinen Erfolg hat. Nach ein paar Monaten wieder ein Gespräch. Er hätte zwischenzeitlich die Laufleine im vorderen Garten installiert und alles war wunderbar, hat jetzt aber von dem Besitzer dieses Gartens ein Verbot bekommen. Der will dort angeblich Artischocken anpflanzen. Folglich hängt der Hund am alten Platz.
Also fahre ich los, spreche mit diesem Menschen und es stellt sich als wahr heraus. Der Garten gehört dem Hundebesitzer nicht und er hat keine andere Möglichkeit des Unterbringens. Ob er ihn denn vermitteln möchte. NEIN!!! Er käme aus Athen und wäre reinrassig..... Hm... Ob er nicht irgendwo ein anderes Stück Land hätte. Ja, da hat er einen Stallhund, der außerdem krank ist.... und dieser Hund soll dort nicht hin, da er „zu schade“ dafür wäre. Hm...

 
 

In diesem Fall fällt mir auch erst mal nichts mehr ein und ich inspiziere den angeblich kranken Stallhund.
Dabei fall ich beinahe hintenüber. Er ist soooooooo dünn, dass mir die Tränen kommen. Zudem hängt ein Ohr ständig herunter, was ich oft bei Ohrenentzündungen gesehen habe... Ein Blick in die Ohren bestätigt den Verdacht. Wahrscheinlich kann er vor lauter Schmerzen nichts mehr fressen, so er denn genug bekommen hat.... Er ist da, um ein paar Hühner zu bewachen. Im Niemandsland. Weit und breit keine Menschen, keine Ansprache, nichts...
Ich lasse den Besitzer über die Nachbarin informieren, dass ich Lust hätte den Veterinärarzt einzuschalten, da niemand seinen Hund so runterkommen lassen darf. Aber: Ich weiß, dass es Unwissenheit und  fehlende Intelligenz in diesem Fall sind und halte mich im Interesse des Hundes zurück. Wir nehmen ihn selbstverständlich mit und vereinbaren, dass wir Bluttests machen werden, eine Ohren-und Schmerztherapie beginnen, ihn aufpäppeln und sollte er Leishmaniose haben, würde er nicht zurückgebracht. Er stimmt zu. Es täte ihm leid, er hätte es nicht gesehen. Er liebt seinen Hund. Ich gucke in die Augen dieser Leute und sehe, dass sie es ernst meinen....

GENAU DIES IST UNSER TÄGLICHER SPAGAT. Eigene Vorstellungen mit denen der Anderen sind zum Teil derart weit auseinander, dass man es nur Spagat nennen kann, wenn man trotzdem im Dialog bleibt..

Clooneys Geschichte ist schnell zu Ende erzählt. Er hat keine Leishmaniose, bekommt 3 Wochen antibiotische Therapie und Reinigung seiner Ohren, Aufbaufutter, komplettes Entwurmungsprogramm und wird kastriert. Er blüht immer mehr auf, genießt jede Handreichung, jede Streicheleinheit, jede Ansprache... Er ist ein wunderschöner Hund, der zu Menschen Kontakt haben möchte. An dieser Stelle ein dickes Lob an Marita und Steffi, die ihn die ganze Zeit betreut haben!!!

 
 

Und wieder mal das traurige Ende: Wir müssen ihn zurückbringen, da er Eigentum eines Griechen ist. Der will ihn behalten, verspricht aber, dass wir ihn haben können, wenn so etwas nochmal passiert.
Jürgen hilft mir, indem er eine Hütte von Brian abholt, die wir Clooney spendieren möchten und fährt mit mir zu Clooneys alter Behausung... Die Fotos sagen alles und glauben Sie uns, dies ist einer der schrecklichen Momente im Tierschutz, wenn man solch einen Hund an derartigen Stellen anbinden muss, ihn dalassen muss, er einem wehmütig nachschaut und wir nichts anderes tun können, als zu gehen.

Aber Clooney, sei gewiss, ab jetzt haben wir ein Auge auf dich und bei der nächsten Möglichkeit bist du da weg. Sollte der Besitzer sich wieder zu wenig kümmern, haben wir das Druckmittel der Vorgeschichte...

 
 
Inzwischen ist besagter Grieche doch am Überlegen, uns den anderen Hund aus seiner Garage zu geben, da er ihn nicht artgerecht halten kann. Er sieht es ein und bespricht sich nun mit seiner Familie.
Dies wäre ganz sicher nicht passiert, wenn wir nur geschimpft, beleidigt und gedroht hätten.
Aber es ist und bleibt ein zermürbender Kraftakt...

Text & Fotos: Brigitte