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Bernies Happy - End

16.12.2009
 

Vor ca. 10 Tagen erhielt ich eine email, die mich sehr glücklich machte und die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten:

Wir sind Kerstin, Fabian und Markus und haben seit drei Wochen ein neues Familienmitglied.
Es ist Bernie oder wie er jetzt heißt Joey. Gestern hatten wir Besuch, der uns von Joeys Geschichte erzählt hat und uns den Link zu eurer Internetseite gegeben hat. Wir sitzen jetzt verheult auf unserem Sofa, Joey liegt rechts von uns in seinem großen, flauschigen Körbchen und blinzelt uns zu. Wir haben gerade die Eintragungen zu Joeys Lebensweg gelesen und wollten uns einmal kurz bei Euch melden, um Euch auf dem Laufenden zu halten. Wir bleiben in Kontakt
bis bald und liebe Grüße


Kerstin, Fabian und Markus

 
Bernie
 

Zwei Tage später dann ein ausführlicher Bericht von Kerstin:

Vom Bernie zum Joey

Hier die Geschichte wie alles anfing und von Joey´s erstem Tag.

 
Bernie
 

Mein Freund und ich haben schon einige Male über einen Hund gesprochen. Ich liebe Hunde. Ich bin mit Hunden aufgewachsen, und ich mag es mit ihnen zu toben oder mich auch mal von ihnen anknabbern zu lassen. Oder sie einfach nur zu verknubbeln. Aber immer wieder hatten wir Gründe gefunden, warum es jetzt noch nicht die richtige Zeit ist. "Nicht in dieser Wohnung...", so hieß es zum einen... "Wir sind beide berufstätig...", hieß es zum anderen. Immer wieder hatten wir etwas gefunden, warum es nicht passt und haben auf den perfekten Moment gewartet. Aber den perfekten Moment gibt es nun mal nicht. Denn wenn man nach Gründen sucht die dagegen sprechen, so wird man auch immer wieder welche finden. Wir wollten sowieso bald umziehen in eine schönere Wohnung mit Garten oder vielleicht sogar ein kleines Häuschen. Also wäre dies sowieso kein Problem mehr. Und wegen dem berufstätig sein... Wenn man ehrlich ist, hab ich sowieso mehr Spät- und Freischichten und bin morgens zu Hause. Und somit wäre der Hund ja nicht immer alleine.

 
Bernie
 
So beschlossen wir, am nächsten Sonntag zum Tierheim zu fahren und mit den Hunden spazieren zu gehen, wenn wir schon keinen eigenen haben. Mein Freund meinte: "Naja, wir gucken mal, vielleicht finden wir ja einen kleinen. Und vielleicht sprechen ja doch nicht so viele Gründe gegen einen Hund." "Och nööööö ... wenn dann bitte nicht so einen kleinen." Ich war schon ein bisschen geknickt. Wie bitte soll ich mit einem so zierlichen Hund spielen ohne ihn kaputt zu machen? So kleine kann man ja nicht richtig anfassen, ohne ihnen weh zu tun.... "wenigstens einen mittelgroßen? bitte? ,bitte?", ich schaute meinen Freund an. Er seufzt:"Naja wir schauen erstmal und gehen mit einem spazieren", ohne mir wirklich eine Antwort darauf zu geben. Das war eine gute Idee. Dann kann man sich ja alles nochmal überlegen. Am Tierheim angekommen gingen wir in das erste Hundehaus. Die Hunde bellten durcheinander. Als wenn sie sagen wollten: "Hol mich hier raus"..."nein, nimm mich zuerst" Sie standen an der Eisentür und jeder einzelne hoffte nun raus zu dürfen. So als ob sie spüren würden, dass es ihre einzige Option ist, adoptiert zu werden. Irgendwie war dies ein trauriger Anblick, obwohl wir wussten, dass sie es hier ganz bestimmt besser haben als bei manch einem Hundehalter. An der dritten Tür blieben wir beide stehen. Wir schauten in die Augen von einem traurig guckenden Bernadinermix.
 
Bernie
 

Er stand nur da und schaute. "Der ist ja niedlich", sagte ich.
"Ja, stimmt", sagte mein Freund..." aber auch nicht gerade klein." Ich schaute meinen Freund an
"Aber so richtig groß auch nicht.", sagte ich fast trotzig. Er wollte mich nur ein wenig ärgern, glaube ich.
Ich konnte ihm ansehen, dass er ihn genauso mag. Wir schauten uns auch die anderen Hunde an, aber die waren es einfach nicht. Wir sagten, dass wir uns für einen Hund interessieren... für den Benny.
Man riet uns ab. Der Benny würde ab und zu schon mal zubeißen. Wir schauten uns an. Das konnten wir uns beim besten Willen nicht vorstellen. Der? Der sieht doch so ruhig aus. Der beißt?
Wir gingen zum Hundehaus zurück und schauten ihn uns nochmals an. Wir lasen auf dem Schild:"Bernie"
"Ha!", sagte mein Freund fast erleichtert. "Nix Benny .... Bernie heißt er, total verlesen".
Wir gingen mit ihm spazieren, und er war total lieb. Wir hatten damit gerechnet, dass er vieleicht sehr doll ziehen würde. Doch er lief ganz locker an der Leine und schnupperte hier und da. Dann sind wir etwas schneller gelaufen.
Viele Hunde geben dann richtig Gas, aber dieser Hund passte sich dem Tempo an und trabte locker neben her während er noch die Nase am Boden hielt und weiter schnupperte. Jedes mal wenn er einen Widerstand an der Leine spürte, korrigierte er sich und passte sich an. Er ließ sich verknubbeln und freute sich über jeden Körperkontakt ohne einmal auszuweichen. Zwar vorsichtig, aber er genoss es sichtlich.
Auch lief er gerne zwischen uns, was ich auch von anderen Hunden eher nicht kannte.
Der Bernie war eben ganz anders. Als ob er sich seiner Größe und seiner Kraft nicht bewusst wäre.
Oder vielleicht auch einfach nur , weil er sich wohl fühlte. Wir haben uns verliebt. Für uns kam kein anderer in Frage.
Wir wollten genau diesen Hund. Doch wir klärten erstmal ab, ob wir überhaupt einen Hund halten dürfen in unserer Wohnung. Der Vermieter sagte, wenn die anderen Mieter einverstanden sind, dann sei er es auch.
Wir fragten jeden einzelnen von den 4 anderen Mietern und beschrieben den Bernie so gut wie möglich.
3 von ihnen waren total begeistert und wünschten uns viel Glück und eine Frau sagte, sie habe Angst vor Hunden.
Sie wolle uns aber trotzdem nicht im Wege stehen. Wir sollten nur nicht böse mit ihr sein, wenn sie uns aus dem Weg gehen würde. Wir versprachen Rücksicht darauf zu nehmen und eben nicht ins Treppenhaus zu gehen, wenn sie gerade dort war und sich die Schuhe anzog. Das war für sie in Ordnung. Während dieser Zeit waren mein Freund und mein Sohn nochmals im Tierheim, um mit Bernie spazieren zu gehen. Auch mein Sohn verliebte sich direkt in ihn. Wir wollten schon so oft mal ins Tierheim. Schon seit Monaten, aber irgendwie hatten wir die Öffnungszeiten immer wieder verpasst.
Auch dachten wir zuerst, dass das Tierheim nur an Sonntagen geöffnet habe. Heute denke ich, es sollte vieleicht so sein.
Vielleicht sollte der Bernie genau zu uns kommen. Denn als wir fragten wie lange er hier sei, sagte man uns, dass er eine Woche zuvor hier her kam, als wir mit ihm das erste Mal spazieren gingen.

 
Bernie
 
Dann war es endlich soweit. Wir hielten die Papiere zur Probe in der einen Hand und den Bernie an der Leine in der anderen. Endlich durfte er mit zu uns. Wir wollten ihn direkt umtaufen. Es wird ein neuer Lebensabschnitt für ihn sein. Auf den Namen Bernie hörte er sowieso nicht. Also gaben wir ihm einen neuen Namen: Er sollte nun Joey heißen. Im Kofferraum hatten wir eine weiche Decke und viele längiche Kissen , damit er sich nicht weh tun konnte. Doch es war zunächst nicht ganz einfach ihn davon zu überzeugen rein zu hüpfen. Viele Leckerlies später und einer Menge Geduld saß er nun im Kofferraum, und wir fuhren zu seinem neuen zu Hause. Angekommen hüpfte er raus. Doch die nächste Hürde ließ nicht lange auf sich warten: Die Haustür. Wir schlossen die Tür auf. Beim Aufdrücken knarzte sie ein wenig und der Joey schaute sehr verängstigt. Doch mit gutem Zureden und leichtem Ziehen an dem Geschirr konnten wir ihn doch noch überreden, durchzugehen. Er schnupperte und wir ließen ihn. Doch dann standen wir vor der Treppe. Es fiel ihm schwer und eigentlich wollte er nicht dort hoch. Doch auch dazu konnten wir ihn überreden. So schlich er ganz vorsichtig und geduckt mit angelegten Ohren die Treppe hinauf. Wir redeten ihm zu. Er sollte keine Angst haben. An dem Treppenhausfenster hüpfte er mit dem Vorderpfoten auf die Fensterbank, schnupperte und schaute aus dem Fenster. Wir ließen ihm die Zeit die er brauchte. Endlich in der Wohnung angekommen, machten wir die Leine ab. Ich sagte meinem Sohn , dass er den Joey jetzt nicht überfallen solle. Er soll ihn erstmal in Ruhe schnuppern lassen. Und dies tat der Joey auch sehr ausgiebig. Auf jede Fensterbank legte er seine Pfötchen und schaute hinaus. Jedes Zimmer, jede Ecke, jeder Winkel , jeder Schrank und jede Puppe wurde genauestens untersucht. Er kam zurück ins Wohnzimmer, wälzte sich auf dem Langflorteppich und wir wussten °alles klar, Joey´s Teppich° Wir zeigten ihm noch seinen Fressnapf und sein Wasser, woraus er ein paar Tropfen schlabberte. Dann ging er wieder zurück zum Wohnzimmerfenster, legte seine Pfötchen auf die Fensterbank, um erneut aus dem Fenster zu schauen. Diesmal wollte er aber auch noch seine Hinterläufe nachziehen. Vielleicht um sich auf die Fensterbank zu legen? Wir konnten ihn davon abhalten. Wir mussten schmunzeln und sagten zu ihm "Du bist doch kein kleines Kätzchen, sondern ein großer Hund. Die liegen aber nicht auf Fensterbänken.
 
Bernie
 

Natürlich verstand er nicht was wir da reden. Es interessierte ihn wohl auch nicht. Denn dann machte er einen Satz und hüpfte auf die Couch und legte sich lang darauf. "Och nö", dachten wir. Zogen ihn sanft wieder runter und zeigten ihm seine Decke. Es war ein provisorisches zusammengelegtes Oberbett mit einer kuscheligen roten Decke, mit dem er sichtlich nichts anzufangen wusste. Ich setzte mich da drauf und versuchte ihn zu rufen. Doch er blieb fragend davor stehen. Ich stand auf, redete ihm zu. Stellte zunächst seine Vorderpfötchen dort drauf. Er blieb ganz starr stehen. Dann schob ich seine Hinterläufe hinterher.
Als ob er nun verstanden hätte, ließ er sich mit einem Brummen fallen und legte sich bequem hin. Erschöpft von diesem Tag mit so vielen Ängsten und neuen Eindrücken schlummerte er auf seiner Decke. Bis irgendjemand aufstand. Dann ging er hinterher und schaute was Derjenige tat.
Doch mit diesem Tausch, Couch gegen Decke, schien er einverstanden zu sein. Denn von da an, suchte er immer wieder seine Decke auf. Oder er legte sich zu uns auf seinen neu gewonnenen Teppich.
Nach dem Mittagessen wollten wir mit ihm noch etwas spazieren gehen. Doch da war sie wieder, diese Treppe... Er stand davor und sie schien ihm noch immer nicht ganz geheuer zu sein. Doch Schritt für Schritt mit vielen kleinen Pausen, Leckerlies und Zureden, schaffte er es doch. Auch durch die Haustür, die immer noch so doof knarzte, was er nicht so toll fand. Endlich draußen angekommen, schnupperte an allem und jedem.
Jedes Steinchen, jeden Grashalm und jedes Schild. Menschen die auf uns zukamen, wich er bestmöglichst aus.
Doch wenn sie eine Tasche dabei hatten, schnupperte er kurz daran, weil er wohl in jeder Tasche ein Leckerchen vermutete.
Eine ganze Stunde waren wir draußen. Auf jeden entgegenkommenden Hund wollte er freudig zulaufen.
Im Tierheim sagte man uns, dass er sich mit anderen Rüden oft nicht verstehen würde. Doch unsere Erfahrungen zeigten etwas ganz anderes. Er schnupperte an jedem und wollte zum Spielen auffordern. Wenn er von kleinen Hunden angebellt wurde, ignorierte er das und schnupperte unbeirrt weiter.
Wenn er von großen Hunden angebufft wurde, ignorierte er sie entweder oder buffte zurück und lief dann aber auch
gleich weiter. Die letzen Meter machte er einen müden Eindruck. Hat ihn nun das viele Laufen müde gemacht oder vielleicht das viele Schnuppern, die vielen Eindrücke? Der Weg hoch in die Wohnung viel nun schon etwas leichter als beim ersten Mal. Er schlabberte erst ein bisschen Wasser und legte sich dann erschöpft auf seine Decke.
Dann musste ich zur Arbeit. Mein Freund rief mich dort später an und sagte, dass er den Joey nicht mehr dazu überreden könne spazieren zu gehen. Doch von der Arbeit aus konnte ich leider nicht helfen.
Als ich dann nachts nach Hause kam, probierten wir es erneut. Er freute sich mich zu sehen und stand direkt im Hausflur und rannte die ersten Stufen hoch und runter. Doch wir schafften es nicht mehr ihn zu überreden bis ganz nach unten zu gehen.
Vielleicht , weil es nun schon dunkel war? Mit aller Kraft trugen wir den kleinen Riesen hinunter.
Unten angekommen ließ er sich auf den Boden sacken und legte sein Köpfchen auf seine Pfoten. Als wenn er sagen wollte: "Ich rühre mich hier nicht weg, und wenn ihr euch auf den Kopf stellt." Ohje, was sollten wir denn nun tun?
Warum mag er jetzt nicht mehr nach draußen? Hat er Angst vor der Treppe?
Aber warum rennt er dann wie ein Irrer die ersten Treppen rauf und runter? Oder hat er vielleicht Angst, dass wir ihn zurück bringen könnten? Nach einer kurzen Pause kam er schließlich doch noch raus.
Nach dem ersten Beinchen- heben steckte er seine Rute in die Höhe und setze federnden Schrittes seinen Spaziergang fort.
Hoffentlich legt sich das alles noch in den nächsten Tagen. Ansonsten müssen wir ihn doch schweren Herzens wieder abgeben, wenn er keine Treppen laufen will. Ich glaube das hat er wohl gehört. Denn heute geht er sie schon viel sicherer und nach oben hüpft er auch mal 2 auf einmal hoch. Und nach unten..- da ist er fast schneller als ich.
Wenn ich noch die Wohnungstüre schließe, ist er an der Langlaufleine schon um die erste Kurve rum. So ein Glück.
Bestimmt wird er auch bald lernen ohne dumme Leine zu laufen. Hoffentlich.

Liebe Grüße
Markus, Fabian , Kerstin und Joey

 
Bernie