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Artgerechte Beschäftigung und Auslastung von Hunden

Sie wird alles geben um da raus zu kommen

 
Viele unserer Schützlinge werden im Tierheim abgegeben, weil sich Herrchen und Frauchen der Aufgabe der artgerechten Beschäftigung und Auslastung ihrer Hunde nicht gewachsen fühlen.
Dann heißt es, die Halter seien absolut überfordert mit ihrem Hund.
Aber was löst denn diese Überforderung des Halters aus? 
In erster Linie sind das: Mangelnde Erziehung und unzureichende Beschäftigung. Dem kann man entgegenwirken, indem man den Hund anleitet, spielerisch erzieht und ihm eine Aufgabe gibt.

Was meint man denn eigentlich mit der Formulierung: Art gerecht?
Ganz einfach: Seiner Art entsprechend zu beschäftigen.
Man sollte sich einmal fragen: Was machen denn Hunde gern?
Der Eine schwimmt gern, der Andere schnuppert gern, wieder ein anderer läuft gern, sie jagen gern einander hinterher, um zu rangeln und zu spielen und so weiter. Sie möchten jedenfalls nicht gelangweilt, Stunden ihres Lebens, isoliert in Zwingern dahinvegetieren oder auf dem Sofa mit Leckerchen gemästet werden.

 
Noch ist er klein und süss . . .
 

Eine Vielzahl der Hunde, werden als niedliche Welpen angeschafft. Wenn sie dann in die Pubertät kommen, rüpelhaft und ungehorsam erscheinen, oder wenn sie erwachsen geworden sind und über ein dementsprechendes Kraftpotential verfügen und wie wild an der Leine zerren,  werden sie oftmals vernachlässigt und abgegeben, weil wenige die Zeit und Lust aufbringen möchten, sie zu beschäftigen und auszulasten.
Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und, um möglichst perfekt zu werden, muss man eben am Ball bleiben und üben, üben, üben. Man lernt ja schließlich nie aus.

 

Ob alt oder jung, jeder Hund kann immer noch dazu lernen und so zu einem idealen
und angenehmen Begleiter werden.

 

Jeder einzelne unserer Hunde ist eine Persönlichkeit, mit seiner eigenen Vergangenheit und individuellem Charakter.
Manche wurden isoliert gehalten und hatten niemals ausreichenden Kontakt zu Artgenossen, sodass sie rüden- oder rudelunverträglich sind. Manche durften in ihrem bisherigen Leben nur wenige Erfahrungen im Alltagsleben sammeln, kennen kein Autofahren und reagieren in manchen Situationen unsicher. Sie wurden nur im Garten gehalten und  kennen weder Feld, Wald und Wiesen, noch die liebevolle Zuwendung einer Bezugsperson.

 

Ohne Aufgabe kommt schnell Langeweile auf
 
Aber all das kann in einem verantwortungsvollen, neuen Daheim, bei hundeerfahrenen Haltern, umgeleitet und wieder in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Hier sind einfühlsame Menschen gefragt, die sich in die Seele des Hundes hinein versetzen können und ihm gewisse Zeit geben, sich zu akklimatisieren und die Alltäglichkeiten kennen zu lernen.
Hierbei ist immer der Besuch einer Hundeschule hilfreich, denn in erster Linie sind es oftmals die Halter, der geschult werden muss, um das Verhalten der Hunde richtig zu erkennen und nicht falsch zu deuten. Unter fachmännischer Anleitung kann man lernen, wie man mit einfachen Verhaltensregeln, den Hunden Sicherheit geben kann.
Wenn jemand noch keinerlei Hundeerfahrung hat, dann kann er sie erlernen und sie sich aneignen, wie man richtig mit Hunden umgeht und, wie man sie zu einem ausgeglichenen und sozialen Begleiter erzieht.
Für meine Begriffe ist die soziale Bindung an den Menschen am Wichtigsten und die erfährt der Hund durch liebevolle und konsequente Zuwendung.
Viele Hunde warten nur darauf, eine Ansprache und eine Aufgabe gestellt zu bekommen, die sie ausführen dürfen.
Hunde sind bereits seit Jahrhunderten treue Begleiter des Menschen und durch gezielte Auslese, wurden die heutigen, typischen Rasseneigenschaften heraus gezüchtet. Die heutigen Ansprüche des Hunde-besitzers sind jedoch meistenteils anders. Ihre Hunde sollten in erster Linie ein anspruchsloser Schmusehund sein, der sich mit Wenig zufrieden gibt und wenig Ansprüche stellt. Sind wir Menschen denn auch so anspruchslos geworden und mit wenig zufrieden zu stellen? Wer sich also für einen bestimmten Hund interessiert, sollte sich in aller erster Linie einmal darüber informieren, wozu diese Hunde in ihren Ursprungsländern eigentlich gehalten und gezüchtet wurden, und erkennen, welche Ansprüche sie stellen, um glücklich zu sein.
 
Aufmerksam und voller Lernwillen

 

Handelt es sich um einen Herdenschutzhund, dessen Aufgabe es war, selbstständig die Herden der Nomaden vor Raubtieren zu beschützen, handelt es sich um eine Jagdhunderasse, dessen Leidenschaft das Jagen und Aufzuspüren ist? Was er bewacht oder aufspürt ist egal, ob er sein Haus und Hof bewacht, mich hinter einem Baum aufspürt oder einen geworfenen Ball im hohen Gras. Hauptsache, er wird nach seinen Fähigkeiten beschäftigt.

Fragen Sie sich: „Welche Rasse passt zu mir?“
Sind Sie eher der Outdoor Mensch, der sich gern in der freien Natur aufhält, wandert, joggt oder Rad fährt, dann sollte es ein ebensolcher, bewegungsfreudiger Hund sein, den man sich als  Hausgenossen aussucht. Oder bin ich eher der Typ, der sich einen Kuschelpartner wünscht, dem kürzere Ausflüge genügen und der lieber mit Herrchen oder Frauchen auf der Couch liegt?

Im Prinzip zeigt einem jeder Hund von sich aus, was ihm besonderen Spaß bereitet. Sie sollten nur auf ihn eingehen und beobachten, wie er sich verhält. Lässt er keinen Bach oder See links liegen und springt er dort hinein, dann fördern Sie diese Eigenschaft und lassen Sie ihn schwimmen. Ist er nach einer Spaziergenrunde immer noch nicht müde, dann Fahren Sie mit ihm Rad. In derselben Zeit legen Sie eine viel größere Wegstrecke zurück und ihr Hund kann sich in einem  viel schnelleren Tempo fortbewegen, besser als wenn seine Leine die ganze Zeit des Spazierganges angespannt ist und Ihnen der Arm bereits weh tut.

 

Auch ein blinder Hund kann Freude am Leben haben wenn er begleitet wird
 

Nehmen wir den Labrador als typisches Beispiel:
diese Rasse gehört zu den Jagdhunderassen, die über einen ausgeprägten Spürsinn verfügen und liebend gerne schwimmen, denn sie wurden als Wasserhunde bei der Entenjagd eingesetzt.
Und genau diese Vorzüge lenke ich bei dieser Rasse um, indem ich ihn in sein Element lassen und anstelle von Enten apportieren, eben Dummys in das Wasser werfen, damit er sie herausholt. Vor ihm, kann man  ideal Gegenstände verstecken, die er aufspüren soll, sei es eine Leckerlitasche oder sein Lieblingsspielzeug. Werfen Sie einen Schleuderball, damit er ihn wiederfinden soll und schon sind Mensch und Hund glücklich bei der Ausführung der gestellten Aufgaben. Sie werden erkennen, mit welcher Leidenschaft und Freude er so lange sucht, bis er sein Bällchen wiedergefunden hat und es mit einem Lächeln im Gesicht heranbringt. Seien Sie erfinderisch beim Ausdenken von neuen Aufgaben. Ein kleiner, kerniger Jack Russel Terrier springt zu gern. Bringen Sie ihm bei durch Reifen zu springen, oder aus dem Stand, direkt in ihre Arme. Solche kleinen Kunststücke machen beiden Spaß.

 
Ein kleines Kunststück gefällig?
 

Suchen Sie sich Rat in Hundeschulen, kaufen Sie sich ein Buch über diese Hunderasse (die von Kennern und Liebhabern dieser Rasse verfasst werden), informieren Sie sich über das Internet und freuen Sie sich darauf, ihrem Hund täglich neue Aufgaben zu stellen, die er bestimmt versucht, mit größter Begeisterung zu lösen. Aber bitte nicht nur die langweilige Runde um den Block mit ihm gehen, damit er sich entleeren kann.

Wenn davon gesprochen wird: „Dieser Hund braucht Auslastung und Beschäftigung“ , dann schrecken Sie nicht davor zurück, denn nicht nur junge, große Hunde, sondern auch alte, kleine Hündchen,  wollen nicht nur zum Pinkeln in den Garten hinaus geschickt werden, sondern wollen etwas erleben.
Ein Erlebnis ist für ihn auch, wenn er die Hundezeitung lesen kann, wenn er simpel ausgedrückt, an jedem Laternenpfahl schnüffeln will, um zu erfahren, wer vor ihm bereits hier gewesen ist. Und vor allen Dingen: sperren Sie ihren Hund nicht weg, weil er nervt; womit hätte er eine Isolationshaft verdient, denn es ist ein Rudeltier und will möglichst immer und überall dabei sein. Aus diesem Grund befürworten wir auf keinen Fall eine reine Zwingerhaltung. Es gibt Hunderassen, die nicht die geborenen Schmuse- oder reinen Wohnungshunde sind, sondern auch gern einmal ganz alleine im Hof oder Garten in der Sonne dösen möchten, aber trotz allem den Familienanschluss suchen. Manche Hunderassen sind geborene Rudeltiere, die nicht einzeln gehalten werden sollten. Huskies fühlen sich in einem Rudel oder zumindest mit einem Zweithund glücklicher, Podencos lieben es mit anderen Hunden beim Schlafen Körperkontakt zu halten und liegen regelrecht übereinander. Jeder Hund akzeptiert den Menschen als seinen Rudelpartner.  Oftmals ist es ideal einen ängstlichen Hund mit einem selbstbewussten Hund, der bereits alles kennt, zusammen zu halten, damit dessen Wesen gefestigt wird.

 
Es ist einfach herrlich Hunde beim Spielen zu erleben
 

Wer zwei Hunde hält wird erfahren, dass sie viel weniger Arbeit machen, denn sie spielen und toben miteinander und vor allen Dingen sind sie in Gesellschaft, wenn man sie einmal alleine zu Hause lassen muss. Und man muss kein schlechtes Gewissen zu haben, das er jetzt ganz einsam daheim auf einen warten würde.

Treffen Sie sich mit anderen Hundehaltern und deren Hunden zu Spaziergängen und lassen Sie sie die Tiere ihre sozialen Kontakte pflegen. Sehr oft entstehen dabei regelrechte Hundefreundschaften. Unterhalten Sie sich mit den Haltern, wenn Sie ein Problem mit ihrem Hund haben, vielleicht wissen die einen Lösung, oder hatten selbst einmal dieses Problem zu lösen. Wie bekomme ich ihn stubenrein, wie bringe ich ihm bei alleine zu bleiben, ohne das er bellt oder etwas anstellt?

Der normale Alltag kann einem so viele Möglichkeiten bieten, einen Hund zu beschäftigen, indem Sie ihn auf Mauern oder über  Baumstämme springen lassen oder, üben Sie das  Balancieren darauf mit ihm. Laufen Sie mit ihm im Slalom um Laternenpfosten. Nehmen Sie einen schlichten Pappeierkarton und legen Sie kleine Leckerli hinein und lassen Sie ihren Hund versuchen diese dort herauszuholen. Bringen Sie ihm bei, Ihre Morgenzeitung herein zu tragen, den Regenschirm oder seine eigene Leine beim Spaziergang zu tragen, spielen Sie mit ihm Fußball, werfen Sie Bällchen, Fahren Sie mit ihm Fahrrad, bringen Sie ihm bei, das Pfötchen zu geben oder Männchen zu machen, spielen Sie mit ihm Frisbee, bauen Sie einen Hindernisparcours auf, verstecken Sie sich hinter einem Baum und lassen Sie sich finden, legen Sie eine Spur von duftenden Fleischwurststücken aus, der er folgen soll, üben Sie mit ihm Sitz, Platz und Bleib.

Es gibt so viele einfache Beschäftigungsmöglichkeiten, die ihr Hund bestimmt gern annimmt oder machen Sie einen perfekten Dogdancer aus ihm, nehmen Sie an Agilitiemeisterschaften teil, bewerben Sie sich bei der Weltmeisterschaft des Frisbeeweitwurfes, aber bitte, bitte lassen Sie ihren Hund nicht verkümmern, denn sonst kann es sein, dass er selbst on tour geht und sich eine ungewollte Beschäftigung sucht. Und das kann ihn zu einem unerträglichen, nervenden Hund machen, der dann einfach ins Tierheim abgeschoben wird.

 
Denken sie einfach mal darüber nach . . .
 
Ein Text von Reinhold Bartel

 

Fotos: Jürgen