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Arries

Oktober 2007
 

9. Oktober 2007, ein Tag wie jeder andere, bis zum frühen Abend . . .

Ich bekomme einen Anruf von Petra, bei ihrem Chef haben sich zwei Tschechinnen gemeldet. Sie hätten einen verletzten Hund im Straßengraben gefunden und wüssten nicht weiter. Der Dorfarzt könne auch nicht helfen.

Zwei Minuten später war ich bei ihnen.

Auf der Brüstung eines Blumenbeetes liegt, in einer Decke gehüllt, ein beige-weißer Hund. Ich sehe mir seine Verletzungen an und mir wird augenblicklich schlecht.

"Marita, wir haben einen Notfall, gegenüber von Nikos Souvlaki!!!!!"

In den 4 Minuten bis Marita mit dem Auto eintrifft, erkläre ich den beiden Frauen kurz und knapp wer wir sind, was wir machen und was nun passiert. Beide fahren zusammen mit Arries und Marita zum Tierarzt nach Rethymnon. Nachdem wir den verletzten Hund sicher im Auto verstaut haben, informiere ich den Arzt. Eigentlich hat er um 20:00 Uhr Feierabend, heute nicht.

Die Oberseiten aller vier Pfoten und Ellenbögen sind durchgescheuert bis auf die Knochen. Ringsherum verbranntes Fleisch, alles ist blutverklebt. Wir wissen nicht wie das passiert ist, jede Spekulation macht uns jedoch wütend und traurig. Er muss etliche Meter über den Asphalt geschleift worden sein. Vielleicht war er auf der Ladefläche eines Pickups angebunden und ist während der Fahrt hinunter gesprungen. Oder jemand hat ihn mit Absicht hinterher gezogen.

Wer kann so etwas mit einem Hund machen? Warum hat ihm nicht eher jemand geholfen?

Der Besuch beim Tierarzt ist für Marita und die beiden Tschechinnen alles andere als angenehm. Wie immer geht es hoch her in seiner Praxis. Kunden, die ein Mittelchen für ihre Schafe kaufen möchten und auch Bekannte des Arztes, die mal eben auf ein kleines Schwätzchen vorbeigekommen sind, halten ihn unverständlich lange auf und stellen die Geduld der „Retter“ auf eine harte Probe. Alle Wunden müssen gesäubert und genäht werden. Der Arzt ist genervt, weil er eigentlich schon Feierabend hat.

Irgendwann gegen 22:30 Uhr sind die drei mit dem Hund wieder zurück in Plakias.

Arries, so haben die beiden Finderinnen ihn getauft, bekommt eine Box im Hühnerstall. Eine weiche Decke und ein paar Streicheleinheiten, mehr können wir heute nicht für ihn tun.

 
 
Am nächsten Morgen liegt Arries genau so auf der Decke wie am Abend vorher.
 

Ich rufe die "tiermedizinische Betreuung" vom  Förderverein Arche Noah Kreta e. V. an. Ich schildere der Tierärzin alles was ich weiß, mache Fotos der Verletzung und schicke sie ihr per E-Mail. Ich bitte sie, uns zu helfen. Bei der Pflege von Nico haben wir viel von Julia, der Tierärztin von der Arche Noah Kreta, gelernt. Und deshalb reicht uns das, was der Arzt in Rethymnon verordnet hat, nicht aus, um Arries zu helfen.

Die Mail von der Tierärztin kommt und bestätigt, was wir vermutet haben. Natürlich braucht Arries Schmerzmittel, Schutz vor Infektionen und natürlich die Versorgung seiner Wunden, regelmäßig Fieber messen, die Wunden verbinden, ausreichend Flüssigkeit.

Wieder einmal ein Riesen-Dankeschöne an die Tierärzte der Arche, die uns auch aus der Ferne immer wieder helfen!!!

Manchmal weiß ich nicht was schlimmer ist, die Not der Tiere oder die Hilflosigkeit, davor zu stehen und nicht zu wissen, was zu tun ist.

In der Zwischenzeit hatte Brigitte auch schon Kontakt zu Claudia aufgenommen, die uns hilfreiche Ratschläge für eine homöopathische Wundbehandlung geben konnte. Auch hier ein großes Dankeschön für eine stets schnelle und kompetente Unterstützung.

Ein paar Tage später geht es Arries besser, aber seine Verdauung macht uns Sorgen, er hat seit drei Tagen nicht gekackt. Am Abend hilft Brigitte ihm und befreit Arries von einem "Korken", der wohl alles blockiert hat. Am nächsten morgen steht er im Gras und pinkelt was das Zeug hält, anschließend macht er zwei große Haufen. Wir sind sicher genau so erleichtert wie er.

Eine der beiden Finderinnen besucht Arries in ihren verleibenden Urlaubstagen täglich.
 

Von Tag zu Tag geht es ihm besser, er frisst und trinkt von alleine, dank der Verbände heilen seine Wunden schell und gut. Er hat sich wohl von dem Schock erholt und kläfft, wenn wir ihn alleine lassen. Also kommt er zu uns ans Haus. Pünktchen und Filos sind erst einmal nicht soooo begeistert und Arries weiß auch nicht so recht, was er machen soll, also liegt er erst einmal friedlich und zufrieden auf "seiner" Decke vorm Kamin.

 

Dann war Fädenziehen angesagt, was er super über sich hat ergehen lassen. In ein paar Tagen wird er ohne Verband und ohne Tröte laufen können.

 
 

In den letzten Tagen bei uns hat Arries zusammen mit den anderen Hunden die Herbstsonne genossen.

 
 

Arries ist ein bildschöner Kerl, mit einem großen Anteil des seltenen kretischen Jagdhunds „Kritikos Lagonikos“. Auch charakterlich ein Traumhund.

 

 

Mittlerweile ist Arries in Deutschland vermittelt. Wie wünschen "unserem Hasenhund" das weltbeste Zuhause!!!

 

Fotos & Text: Jürgen