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World First Aid ... Erste Hilfe für die Welt

Ich war auf meinem gewohnten Weg zur Arbeit als ich aus den Augenwinkeln eine Gestalt im Straßengraben wahrnahm. Mein Gehirn antwortete prompt auf das Gesehene und sagte mir: Das ist eine Ziege und ich fuhr 2-3 Sekunden weiter. Doch dann ertönte noch eine Stimme, die mich erschaudern ließ und die fragte mich: War das vielleicht ein Hund?
Ich machte eine Vollbremsung, fuhr rückwärts zu der Stelle und fand Smyrgol. Er kauerte am Straßengraben. Es war tatsächlich ein Hund. Ich hielt meine Hand hin und er knurrte. Ich versuchte nachzudenken, doch alle Stimmen in mir waren verstummt und starrten auf das Wesen vor mir. Ich versuchte es weiter, sprach mit ihm: "Du musst mitkommen, bloß nicht weglaufen jetzt". Ich musste zur Arbeit, verdammt. Und das Tier musste in mein Auto und zwar schnell. Ich rief Brigitte an, sagte ihr sie
müsse SOFORT kommen und ich glaube, sie hörte die Panik in meiner Stimme, die der Anblick hinterlassen hatte.
Ich sprach weiter zu dem Hund, hielt ihm meine Hand hin. Er zitterte am ganzen Körper und ich streichelte ihn zwei-, dreimal ganz vorsichtig. Dann nahm ich ihn auf den Arm, sprach weiter auf ihn ein und setzte ihn in meinen Kofferraum.
Dann näherte sich ein PKW, hielt an der Stelle, an der ich den Hund gefunden hatte. Eine Frau stieg aus, eine Touristin. Sie fing sofort an zu weinen und rannte auf mich zu mit den Worten: Ich hab ihn gesehen, ich hab ihn gesehen, ich habe Futter gekauft.
Noch im Kofferraum verputzte das zitternde, knochige Wesen alles Essbare. Ich sagte der Frau, dass ich ihn mitnähme und hier im Tierschutz arbeitete. Sie war erleichtert und fuhr mit ihrem Mann weiter. Dann kam Brigitte, auch sichtlich erschrocken und brachte ihn zu uns nach Hause, in einen Zwinger, in dem er unter Rotlicht und mit reichlich Essen und Trinken die nächsten Tage verbrachte. Am Abend sah Marita ihn das erste Mal. Lange waren wir unten bei ihm – dann sagte sie: "Wie so etwas noch leben kann"...
Er hatte kein Gramm Fett mehr am Körper
...und ob er krank war, wussten wir nicht.
Er hatte lange Krallen, Hautunreinheiten, die nach Pilz aussahen und uns blieb die Hoffnung, dass all diese Symptome Folge der Unterernährung waren.
Wir fütterten ihn mit mehreren Mahlzeiten, die er alle nacheinander verputzte, er ging mit uns spazieren und wurde immer munterer und zutraulicher.
Wir schnitten ihm die Krallen, badeten ihn und weder die Krallen wuchsen nach noch zeichnete
sich ein Pilz ab.
Schließlich nahmen wir ihn mit in unser Rudel nach oben, in dem er erstmal ordentlich mit allen anderen spielte.
Er wirkte immer noch dürr, aber er schien fit wie ein Turnschuh, freundlich und fröhlich.
Der Winter nahte und es stellte sich die Frage, ob er hier überwintern würde oder es noch eine Möglichkeit gäbe, ihn mit den letzten Fliegern nach Deutschland zu schicken. Es war der allerletzte Flieger. Das Tierheim Solingen, das uns schon so oft geholfen hat, hatte zugesagt. Es wurde noch ein Leishmaniose-Test gemacht, der negativ war und damit stand fest, Smyrgol, wie wir ihn liebevoll genannt hatten, würde reisen.
Das gesamte Tierheim-Team war ziemlich geschockt über Smyrgol, was man ihnen nicht verdenken
kann, schließlich hatten sie ihn vorher nicht gesehen. "Den können wir keinem zeigen", dachten sie
noch und schwupps, am ersten Tag nach seiner Ankunft standen bereits Interessenten vor Smyrgols
Zwinger. Er hat sie alle bezirzt.
Und er machte sich weiterhin prächtig in Solingen.
Smyrgol ist mittlerweile erfolgreich vermittelt.
Gestern erreichte uns dann eine Mail, über die wir uns sehr gefreut haben:

Smyrgol......

Hallo Steffi, ich möchte kurz schreiben, dass Euer Smyrgol bei uns in Solingen gelandet ist. Er hat es - glaube ich - sehr gut und macht einen zufriedenen Eindruck. Endlich haben meine 12jährige Tochter und ich auch unseren dringend benötigten Auslauf. Alles Gute für Euren Verein! Jeannette

Lieber Smyrgol, wir freuen uns riesig, dass Du es geschafft hast und Dein Leben jetzt genießen kannst. Vielen Dank an das Tierheim Solingen und an die neue Familie von Smyrgol, die ihm nun ein geborgenes Zuhause schenkt.

Persönliches Nachwort:

World First Aid....

Erste Hilfe für die Welt... da denkt man nicht an Griechenland, überhaupt gar nicht an Europa. Man denkt an Hungersnöte in Afrika, Katastrophen in Asien und so sehr es einen traurig stimmt, dass die Welt wohl nie gerecht sein wird, sodass alle genug haben... ist man doch in unseren Breitengeraden froh, dass man nicht jeden Tag ums nackte Überleben kämpfen muss. Not in der Welt wird man wohl nie ganz besiegen können...
... aber vielleicht, nein ganz sicher, gibt es Not, die nicht sein muss, die so einfach zu besiegen wäre, die die Menschen selbst schaffen, ohne nachzudenken, selbstherrlich und arrogant und ohne Rücksicht auf anderes Leben und die einem dann das Herz bricht, gerade weil sie einfach nicht sein muss.